230-Kilo-Patient: Lösung für Horror-Rechnung gesucht. VP-Lobner setzte bereits alle Hebel in Bewegung, damit Marchfelder nicht 2.200 für Rettungstransport zahlen muss.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 24. Oktober 2018 (04:41)
ASBÖ
Mit diesem „BIT“ (Bettenintensivtransporter) wurde der Marchfelder ins Krankenhaus gebracht. Das Fahrzeug wird vom Arbeitersamariterbund betrieben. Die sogenannte Fahrtrage ist für Patienten mit bis zu 400 Kilogramm ausgelegt.

Der Fall eines Marchfelders, der aufgrund seines Körpergewichts (230 Kilogramm) mit einem Spezial-Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht wurde, wofür er nun 2.200 Euro Transportkosten bezahlen soll ( die NÖN berichtete exklusiv ), schlug hohe Wellen. Die Landespolitiker aus dem Bezirk – René Lobner (VP), Karin Renner (SP) und Dieter Dorner (FP) – suchen nun nach einer Lösung für das Problem.

Wie berichtet, hatte der Marchfelder einen Darmverschluss erlitten und schwebte in Lebensgefahr. Die alarmierten Rotkreuz-Sanitäter erklärten, dass sie den Patienten aufgrund seines Gewichts nicht mit einem herkömmlichen Rettungswagen ins Krankenhaus bringen können. Daraufhin rief der Notarzt beim Arbeitersamariterbund (ASBÖ) an, der mit einem Spezial-Lkw anrückte. Als der Marchfelder einige Tage später wieder daheim war, fand er in seinem Postkasten die besagte Rechnung über 2.200 Euro – mit dem Hinweis, dass die NÖ Gebietskrankenkasse diese Art der Transportkosten nicht übernimmt.

Hinzu kommt, dass der Mann nur eine Notstandshilfe bezieht. In seiner Verzweiflung wandte er sich an die NÖN. Und die will nun von den Landespolitikern aus dem Bezirk wissen, wie man das Problem generell lösen kann. Was ist nämlich, wenn ein schwergewichtiger Patient einmal pro Woche zur Kontrolle ins Spital muss? Soll er dann 8.800 Euro zahlen?

„Krankenkasse muss Kosten übernehmen“

ÖVP-Landtagsabgeordneter René Lobner aus Gänserndorf erklärt: „Aus meiner Sicht muss die Kasse die Kosten übernehmen. Das muss vertraglich festgelegt werden – vielleicht mit einer leistbaren Selbstbehalt-Variante für den Patienten, aber mehr schon nicht.“

Lobner hat bereits alle Hebel in Bewegung gesetzt: „Die Fachabteilung im Landhaus, das Büro der zuständigen Landesrätin und der Notruf 144 NÖ prüfen bereits jede Möglichkeit, um eine Lösung für die Zukunft zu finden.“ In einem seien sich alle einig, so der ÖVP-Politiker: „Den betroffenen Patienten dürfen die Kosten keinesfalls verrechnet werden.“

Erbost über den Fall zeigt sich auch die Dritte Landtagspräsidentin Karin Renner (SPÖ) aus Markgrafneusiedl: „Dass ein Notstandshilfe-Bezieher auf seinen Krankentransportkosten sitzenbleibt, während Privatspitäler mit öffentlichen Geldern finanziert werden sollen, darf einfach nicht sein.“

"Was die Krankenkassen betrifft, ist der Bund zuständig"

Renner weiter: „In einem solidarischen Gesundheitssystem muss gerade auch den sozial Schwachen optimale medizinische Versorgung zuteilwerden, sonst gilt bei uns bald die Devise ‚Kreditkarte vor E-Card‘.“ Was wäre ihr Lösungsansatz? „In Härtefällen schlage ich ein gemeinschaftlich solidarisches Finanzierungsmodell wie im gesamten Gesundheitssystem vor.“

Auch für FPÖ-Landtagsabgeordneten Dieter Dorner aus Untersiebenbrunn „kann es nicht sein, dass einer für den Krankentransport zahlen muss und der andere nicht“. Für Dorner steht fest, dass eine generelle Lösung her muss, bei der Schwergewichtige nicht benachteiligt werden: „Die Krankenkassen müssen die Transportkosten übernehmen, wie bei jedem gewöhnlichen Einsatz.“ Der Blaue glaubt aber nicht, dass man das Problem auf Landesebene lösen kann: „Was die Krankenkassen betrifft, ist der Bund zuständig.“

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