Ein Sprichwort führte zu Prozess

Weil eine serbische Aussage als Drohung interpretiert wurde, war 53-jähriger Marchfelder angeklagt.

Christian Pfeiffer Erstellt am 23. September 2021 | 04:24
Prozess
Foto: shutterstock.com/sergign

„Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird“ – dieses Sprichwort charakterisiert eine Verhandlung am Landesgericht Korneuburg bei Richter Martin Gall-Vanek vollinhaltlich. Einerseits war ein im gegenständlichen Fall serbisches Sprichwort zentrales Thema des Prozesses wegen gefährlicher Drohung, andererseits sollte sich das eingangs erwähnte Sprichwort als absolut passend erweisen.

Am 1. Mai dieses Jahres kam es in der Wohnung der Familie eines 24-Jährigen im Marchfeld zu einem Streit eigentlich befreundeter Nachbarn, in dessen Folge die Drohung des angeklagten 53-jährigen Serben gefallen sei: „150 Polizisten egal, es wird brennen.“

Dolmetscher: „Auf Serbisch wird sehr blumig gesprochen.“

Im Serbischen ist damit gemeint, dass es Probleme geben wird, erklärte der Angeklagte. Bestätigt wurde er dabei vom anwesenden Gerichtsdolmetscher: „Auf Serbisch wird sehr blumig gesprochen.“

In seinem Schlussplädoyer verglich Verteidiger Paul Nagler den serbischen Sager, der zur Verhandlung geführt hatte, mit dem hiesigen Sprichwort „Es brennt der Hut“. Er befand auch, dass „am strafrechtlichen Vorwurf nichts dran“ sei, vor allem auch, da die vermeintlichen Opfer „kein Gefühl der Bedrohung“ empfanden.

„Jetzt vertragen sich alle wieder“, bestätigte der 24-jährige Zeuge. Auch Richter Gall-Vanek ließ sich von der sprachlichen Unschärfe überzeugen und sprach den 53-jährigen Serben frei.