Flüchtlinge als Landarbeiter: "Sie brauchen Aufgaben“. Wegen des Mangels an Saisonarbeitern wurde die Idee geboren, mehr Schutzsuchende in der Landwirtschaft zu beschäftigen. Rudolf Greul gibt dazu Auskunft.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 24. Mai 2018 (04:46)
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Rudolf Greul in seinem Büro. Er ist seit 2016 „Refugee-Contact-Officer“ oder Flüchtlingskontaktbeamter bei der Wiener Polizei.
Havranek

Den Bauern fehlen Saisonarbeiter: Wie die NÖN berichtete, gibt es in der Landwirtschaft einen Mangel an Personal, Spargelbauern können beispielsweise ein Fünftel ihrer Ernte nicht einbringen. Um Abhilfe zu schaffen, sollen etwa Arbeiter aus der Ukraine zugelassen werden, aber auch Asylwerber könnten den Personalnotstand beheben.

Die NÖN sprach mit Obersiebenbrunns VP-Vizebürgermeister Rudolf Greul, der bei der Polizei seit 2016 Flüchtlingskontaktbeamter ist und auch schon Erfahrungen mit Asylwerbern in der Gemeindearbeit hat. „2016 hatten wir zu wenig Gemeindearbeiter und haben dann über zwei Monate täglich vier Asylanten beschäftigt“, so Greul. Die Erfahrungen waren durchwegs positiv, administrativ gab es aber Herausforderungen: „Für gemeinnützige Tätigkeiten für Bund und Land dürfen die Asylwerber nur 110 Euro im Monat verdienen, bei einem Stundenlohn von etwa 4 Euro waren das etwa 30 Stunden.“ So wurde immer wieder „rotiert“, sodass keiner der Asylanten die Verdienstgrenze überschritt.

"Die Asylanten brauchen eine Aufgabe"

„Einer der Arbeiter wollte sogar umsonst weiterarbeiten, weil er hier endlich eine Beschäftigung gefunden hatte und so froh war, dass er etwas arbeiten durfte“, berichtet Greul, der weiß: „Die Asylanten brauchen eine Aufgabe, sonst verleiten sie Perspektivlosigkeit, Geld- und Beschäftigungsmangel zu kriminellen Handlungen wie Raub oder Drogenhandel.“ Es gäbe auch die Möglichkeit, Flüchtlinge als „fixe“ Landarbeiter anzustellen, dann dürfen sie maximal sechs Monate pro Jahr in einem Arbeitsverhältnis stehen. Hierfür gibt es bestimmte Kontingente, die festlegen, wie viele Asylwerber als Saisnonarbeiter (in Land und Forstwirtschaft sowie im Tourismus) arbeiten dürfen.

Das Problem, das Greul sieht, ist, dass dort, wo der Bedarf an Land-Arbeitskräften besteht, das Angebot nicht vorhanden ist: „Die meisten Flüchtlinge sind in Wien untergebracht, die meisten landwirtschaftlichen Betriebe aber am Land.“ Dies, die schwierige Anreise zum Arbeitsplatz und administrative Schwierigkeiten seien Hürden.