Freispruch für junge Frau. Marchfelderin hatte Stiefvater beschuldigt, sie missbraucht zu haben. Das Verfahren wurde damals eingestellt. Jetzt bekam sie im Prozess wegen falscher Beweisaussage recht.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 21. August 2020 (04:34)
Die junge Frau soll vom Stiefvater missbraucht worden sein.
Thomas Andre Fure

Freispruch für eine junge Frau aus dem Marchfeld: Im Herbst des Vorjahres hatte sie nach Aufforderung durch das Jugendamt Anzeige gegen ihren Stiefvater wegen sexuellen Missbrauchs erstattet. Das Ermittlungsverfahren wurde in der Folge mangels Beweisen eingestellt. Die Staatsanwaltschaft sah den Verdacht der falschen Beweisaussage und der Verleumdung gegen den Stiefvater. Richter Franz Furtner schenkte nun der jungen Frau und ihren Schilderungen Glauben.

„Es hat angefangen, dass er uns an den Hintern gegriffen hat“, schildert die junge Frau. Damals war sie 15. Als ihre Mutter sich vom Stiefvater getrennt hatte, sei es schlimmer geworden. So schlimm, dass sie von ihm schwanger geworden sei. Geheim ließ sie in einer Wiener Klinik abtreiben.

„Das war nicht ganz legal, ich war noch minderjährig“, gestand sie. Die Einverständniserklärung habe der Stiefvater unterschrieben, ohne zu schauen, was er unterschreibt. Den Umstand, dass es keine Unterlagen in der Abtreibungsklinik zu ihrem Fall gibt, erklärt sie damit, dass sie unter falschem Namen dort war.

Das Problem: Sie konnte ihre Aussagen durch keine Papiere belegen. Sie habe keine Unterlagen bekommen. Ob die Klinik postalisch Unterlagen geschickt hat, wisse sie nicht, sagt sie. Denn nach über drei Jahren Missbrauch war sie bei ihrem Stiefvater ausgezogen.

Auch wenn sie keine genauen Angaben zu Kosten und Zeitpunkt der Abtreibung machen konnte („damals hab ich viele Drogen und Alkohol konsumiert“), wertete Richter Furtner die Beschreibung der Abtreibungsklinik als glaubwürdig.

Unglaubwürdig stufte der Richter einen Zeugen ein: Er soll mit der jungen Frau zur Abtreibungsklinik gefahren sein, kann sich allerdings nicht erinnern; auch nicht, dass er je mit ihr im 1. Wiener Bezirk gewesen war – wobei er dann doch einen Pizzeria-Besuch mit ihr zugeben musste.

„Ich will nicht wissen, welche Erinnerungslücken der noch hat“, kommentierte der Anwalt der jungen Frau. Für den Richter war der Fall klar: „Es gibt keinen ersichtlichen Grund, warum sie ihren Stiefvater fälschlicherweise anzeigen und als 17-Jährige dieses Prozedere auf sich nehmen sollte.“ Freispruch.