Angst bei Gemüsebauern nach Verhandlungsstopp. Landwirte konnten sich noch nicht mit Tiefkühlproduzent Ardo über Preise einigen.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 09. Februar 2019 (04:02)
Landwirte sehen die österreichische Tiefkühlgemüseproduktion in Gefahr.
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„Die österreichische Tiefkühlgemüseproduktion ist in Gefahr“, so die Vertreter der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), einer Gruppierung von Gemüsebauern, die sich um die Rettung der Austriafrost gebildet hatte.

Ihr Sprecher, Robert Kriegl, Bauer aus Rutzendorf und VP-Gemeinderat in Groß-Enzersdorf, sowie Chrisian Zehetbauer, Bauernvertreter in der ETG, beklagen nicht nur die seit Jahren fallenden Preise, sondern auch die Folgen des Klimawandels, die immer stärker spürbar werden. Die zunehmende Trockenheit erfordert häufigere Bewässerung bei sinkendem Grundwasserspiegel. Das fordert mehr Energie, mehr Arbeit und damit mehr Geld.

„Die Kostenschere ist auseinandergegangen, das ist existenzgefährdend“, so Kriegl. Denn derart sei Landwirtschaft nicht nachhaltig machbar. Ende der 80er-Jahre hätten die Bauern für den Erbsen-Ertrag pro Hektar rund 27.000 Schilling bekommen. „Derzeit bekommen wir maximal 1.700 Euro pro Hektar. Das ist zu wenig. Wir brauchen für die konventionelle Produktion 2.000 Euro pro Hektar“, rechnet Zehetbauer vor. Bioproduktion sei noch teurer.

ETG-Kriegl: „Stehen mit dem Rücken zur Wand“

2018 war besonders hart: Kurz vor der Ernte wurden die Preise gesenkt, die Blattlaus sorgte für Kummer, die Erträge waren schwach. Und bei den heurigen Preisverhandlungen zeigte Tiefkühlproduzent Ardo vorerst einmal die eiskalte Schulter. Daher sei man in die Öffentlichkeit getreten, so Kriegl: „Das ist bei den Bauern sehr gut angekommen, denn wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“ Knapp 4.000 Hektar Anbaufläche und rund 400 Mitgliedsbetriebe seien vom Verhandlungsstopp betroffen.

„Es gibt keinen Verhandlungsstopp, wir arbeiten seit Langem gut zusammen. Wir haben ja ein gemeinsames Interesse“Roman Gabriel, Ardo-Verkaufsdirektor

„Es gibt keinen Verhandlungsstopp, wir arbeiten seit Langem gut zusammen. Wir haben ja ein gemeinsames Interesse“, sagt Roman Gabriel, Ardo-Verkaufsdirektor für den Lebensmittelhandel. Doch man müsse auch dafür sorgen, dass sich für das hochpreisige und -qualitative Marchfelder Gemüse Abnehmer finden. Das gelinge im Inland noch ganz gut, die Werbung (Iglo) ziele auf Patriotismus und Qualitätsbewusstsein.

Obwohl auch hier Grenzen auszumachen seien, wenn Klimawandel und andere Kostensteigerungen zu noch höheren Preisen führten. 50 Prozent der Tiefkühlware geht aber überhaupt in den Export. Und im internationalen Wettbewerb ist die Konkurrenz hart für den belgischen Familienbetrieb, der auch in seinen Anbaugebieten in Westeuropa mit Kostensteigerungen zu kämpfen hat. Denn im Gegensatz dazu seien die Gemüsepreise in den Anbaugebieten im Osten Europas deutlich günstiger. Damit stelle sich irgendwann die Standortfrage. Doch noch seien „alle Türen für weitere Gespräche offen. Ich bin sicher, wir finden eine Lösung.“

Auch die ETG-Vertreter sehen schon zuversichtlich nach vorne und hoffen, „nach den Semesterferien ein akzeptables Ergebnis präsentieren zu können“.