Wolfgang Rehm über Asfinag verärgert. Marchegger Umweltschützer und Straßenbauer uneins.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 22. Februar 2019 (16:28)
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Wolfgang Rehm kritisiert „rhetorischen Kavaliersstart“.

Nach einem aufsehenerregenden Interview mit dem neuen Asfinag-Vorstand Hartwig Hufnagl, in dem dieser unter anderem den Spatenstich für den Lobau-Tunnel schon für 2019 ankündigt sowie Umweltschützer attackiert, fühlt sich der Marchegger Aktivist Wolfgang Rehm auf den Schlips getreten. Er reagiert scharf auf die Aussagen.

Rehm kritisiert in einer Aussendung den „rhetorischen Kavaliersstart des neu bestellten Vorstands mit großen Tönen“. Er unterstellt, dass „ein Baubeginn für den Lobau-Tunnel 2019 nicht zu erwarten“ sei und „eine Projektumsetzung keine Entlastung der Südost-Tangente bringen“ würde.

In weiterer Folge meint er, „der Vorstand sei offensichtlich entweder desinteressiert oder verständlicherweise noch nicht eingearbeitet“. Rehm weiter: „Dass die A 23 nicht entlastet werden würde, geht schließlich aus den Projektunterlagen der Asfinag hervor.“

Außerdem wehrt er sich gegen Hufnagls Kritik an Umweltschützern. Dieser betonte gegenüber der Tageszeitung Kurier: „Es wird immer diejenigen geben, die das steigende Mobilitätsbedürfnis anderer nicht ernst nehmen.“

Rehm: „Lobau-Autobahn verschlimmert Problem“

Rehm meint nämlich, die „Lobau-Autobahn löse kein Problem, sondern verschlimmere es“, da sie nicht „gottgegebenes Verkehrsaufkommen verlagere“, sondern kurzfristig zusätzliche Fahrten generierte.

Langfristig glaubt Rehm, dass sich dadurch die Raumstrukturierung so ändern würde, dass mehr und weiter mit dem Auto gefahren werden müsse. Dadurch würde der öffentliche Verkehr ins Hintertreffen geraten. Zusätzlich erwartet er durch die Lobau-Autobahn eine 60-prozentige Zunahme an Treibhausgas-Emissionen im Untersuchungsgebiet.

Asfinag: „S 1 mit Tunnel ist die optimale Lösung“

Die Asfinag bleibt aber bei ihrem Standpunkt: „Ohne den ,Lückenschluss‘ der Umfahrung der Bundeshauptstadt werden die Verkehrsprobleme in Wien und im Marchfeld weiter zunehmen – mit negativen Konsequenzen für die Lebensqualität von Anrainern und Lenkern.“ Das Unternehmen ist sicher, dass die S 1 mit dem Tunnel unter dem Nationalpark Donau-Auen die optimale Lösung ist.

Zu Rehms Umweltbedenken: „Die S 1 ist das am intensivsten geprüfte Straßenbauvorhaben Österreichs. Sechs Jahre hat die Umweltverträglichkeits-Prüfung gedauert. Nach drei weiteren Jahren haben auch die vom Gericht bestellten unabhängigen Gutachter 2018 ,grünes Licht‘ gegeben.“

Jetzt seien noch der Wasserrechts- und der Naturschutzbescheid ausständig, weswegen man an den Baustart 2019 glaube: „Wir rechnen damit, diese im Frühjahr 2019 zu bekommen. Natürlich wissen wir, dass dagegen noch Einspruch erhoben werden kann, was Auswirkungen auf den Baubeginn haben könnte.“