Bedenkliches Video weitergeleitet: Mann vor Gericht. Ein junger Mann aus dem Bezirk Gänserndorf schickte ein bedenkliches ponografisches Video via WhatsApp an 29 Kontakte.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 01. Mai 2021 (04:12)
Der Mann machte sich durch das Weiterleiten des Videos schuldig.
Shutterstock/Tero Vesalainen

Wer meint, das Internet sei ein rechtsfreier Raum, wird am Landesgericht Korneuburg regelmäßig eines Besseren belehrt. Diese Lektion bekam auch ein 25-Jähriger aus dem Marchfeld von Richter Helmut Neumar. Der junge Mann hatte am 5. März 2019 über WhatsApp ein pornografisches Video zugeschickt bekommen. Zu sehen war „fast noch ein Kind“, wie Neumar es beschrieb.

Das Video nicht umgehend zu löschen, war der erste Fehler des Angeklagten, der viel größere bestand allerdings darin, dass er es an 29 Kontakte weiterschickte. „Ich hab in dem Moment nicht daran gedacht“, sagte der junge Mann vor Gericht, der sich in jeder Hinsicht von seiner besten Seite präsentierte und glaubhaft reumütig war. Ungewöhnlich bei solchen Fällen war die Anwesenheit der Freundin des Beschuldigten.

„Sie hat ihm ordentlich den Kopf gewaschen anlässlich einer Aussprache der beiden“, so Verteidiger Ernst Schillhammer. Das haben andere WhatsApp-User wohl auch getan. Richter Neumar zitierte aus den Kommentaren, als der 25-Jährige das Video versandt hatte. Diese reichten von „Woher hast du diesen Scheiß?“ bis zu „Und ich hab geglaubt, ich bin Psychopath!“. „Das gefällt mir direkt“, war der Richter ein klein wenig stolz auf die Selbstreinigungskraft der Online-Community.

Auf die von Schillhammer beantragte Diversion ließ sich Neumar nicht ein: „Es gibt bei mir keine Diversion.“ Er fällte dann aber doch ein Urteil, das einer solchen sehr nahe kam. Er verurteilte den jungen Mann zu einer Geldstrafe von 5.400 Euro, wovon 1.800 unbedingt zu zahlen sind. „Das tut ein bisserl weh – und das soll es auch“, sagte der Richter, der eine generalpräventive Notwendigkeit darin sieht, derartige Delikte nicht zu verharmlosen.