Derbe Kritik: Hasstirade kam per Post. In einem anonymen Brief werden Bürgermeister der Region grob attackiert.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 12. September 2019 (04:47)
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Die Baustellen- und Umleitungssituation im Bezirk ist dem anonymen Briefeschreiber ein Dorn im Auge.

Ein mehr als gesalzener Brief mit äußerst fragwürdiger Wortwahl flatterte jüngst der Gemeinde Lassee ins Haus. Darin lässt ein – anonymer – Bürger kein gutes Haar an den politischen Entscheidungsträgern des Marchfelds und untermalt seine Kritik noch mit nicht druckreifen Kraftausdrücken. Gerichtet ist das Schreiben an „die verantwortlichen BürgermeisterInnen der Region Verkehrs- und Windradhölle Marchfeld“. Die Lasseer Gemeinde informierte die NÖN.

Der Briefschreiber, der sich hinter der Anonymität versteckt, stellt einleitend fest: „Man fühlt sich in der Zwischenzeit als Bewohner der Region ,Lkw-Hölle & Windradparadies Marchfeld‘ in der Blinddarmregion Österreichs daheim.“

„Ein Höchstmaß an Belastung für Bürger“

Er stützt seine Kritik auf ein angeblich nicht berücksichtigtes Ergebnis von Abstimmungen zur Erweiterung bzw. Errichtung von Windparks (solche Bürger-Voten gab es in Lassee und Marchegg) und die derzeitigen Straßenbauvorhaben, über die die NÖN bereits berichtete: „Es hat den Anschein, dass die einzige Koordination darin besteht, die jeweiligen Bauvorhaben zur selben Zeit durchzuführen, um der Bevölkerung ein Höchstmaß an Belastung aufzubürden.“

Am Ende der mit tiefen Schimpfwörtern gespickten Sendung droht der Anonymus auch noch: „Es reicht mir jetzt eindeutig. Ich werde in Form von diversen Protestaktionen (Entsorgung von Sperrmüll auf den Ausweichstrecken etc. – lasst euch überraschen!) meine Meinung zu dieser bewohnerfeindlichen Politik kundtun.“

NÖN-Archiv
Für Lassees VP-Bürgermeister Karl Grammanitsch geht der anonyme Brief zu weit.

Was sagt Lassees VP-Bürgermeister Karl Grammanitsch zu dieser Hasstirade? „Was sind denn das mittlerweile für Auswüchse? Die Respektlosigkeit kennt anscheinend keine Grenzen mehr, heute ist es noch ein anonymer Brief mit tiefen Beschimpfungen und der Drohung, Sperrmüll abzuladen, aber was kommt als nächstes?“ Eine Reaktion sei schwierig, allenfalls per anonymer Anzeige.

„Ich habe aber meine Gemeindearbeiter schon aufmerksam gemacht, falls Sperrmüll gefunden wird, diesen nach möglichen Hinweisen auf die Identität zu untersuchen“, sagt Grammanitsch, der sich zu Unrecht kritisiert fühlt: „Unsere Windpark-Abstimmung ging eindeutig aus und deswegen gibt es auch keine Windräder.“

Zu den Straßenbau-Arbeiten meint er: „Klar hätte man das vielleicht besser koordinieren können. Aber alle wollen gute Straßen und verbesserte Infrastruktur, da muss man dann eben auch Baustellen in Kauf nehmen.“

„Wir Bürgermeister stehen am Pranger“

Teilweise versteht er den Frust über die Politik: „Aber wir Bürgermeister können da am wenigsten dafür. Wir stehen ja sofort am Pranger. Ich muss mich für jede Aktion direkt rechtfertigen, ob am Dorffest, am Sportplatz oder bei der Kirche.

Wir Ortschefs stehen sozusagen an vorderster Front und bekommen alles ab.“ Er sei froh, dass die Region nun in Hinblick auf die Landesausstellung 2022 auf Vordermann gebracht werde: „Das ist eine Chance für uns und die wollen wir nutzen. Und es ist gut, dass im Zuge dessen Straßen und die Eisenbahn gemacht werden.“