Milde Strafe nach Geständnis

Erstellt am 19. Mai 2022 | 04:30
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Foto: Shutterstock.com, Tiko Aramyan
39-jähriger Marchfelder gab zu, seine Ex-Partnerin „geschlagen und g’haut“ zu haben.
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Kaum vorstellbar, wie eine Beziehung über neun Jahre „funktioniert“, die immer wieder auch aus Alkohol-Missbrauch, gegenseitigen Beschimpfungen und Schlägen bestand. Am 16. Jänner dieses Jahres zog die 41-jährige Partnerin dann doch die Reißleine und zeigte ihren – bis dahin – Lebensgefährten (39) an.

Der Zufall wollte es, dass sich der Angeklagte und Richterin Lydia Rada flüchtig kennen, da sie in nachbarschaftlicher Nähe zueinander wohnen. Verteidiger Edmund Kitzler sah in diesem Umstand keinen Grund für eine Befangenheit der Richterin.

Er argumentierte in seinem Eröffnungsplädoyer, dass die Beziehung bereits vor der Eheschließung am 14. August 2015 von Problemen gekennzeichnet war. „Und sie haben trotzdem geheiratet?“, fragte die Richterin perplex. „Ja“, so der der 39-jährige Installateur. Er gab – eine Seltenheit bei dieser Art Delikt – zu, seine Frau „geschlagen und g’haut“ zu haben. Die etwas unglückliche „Entschuldigung“: „Ich hab nie einen Spaß dran g’habt“, kassierte die Richterin umgehend mit den Worten: „Das wär’ ja noch schöner.“

Ex-Partnerin erlitt Brüche durch die Misshandlungen

Sie seien beide keine „Unschuldslämmer“ und in ihrem Wohnort herrsche „ein bisserl ein rauerer Ton“, versuchte es der 39-Jährige mit Erklärungen. Die Ex-Partnerin, die zum Teil komplizierte Brüche von den Misshandlungen davontrug, wollte in Abwesenheit des Angeklagten befragt werden. Den Zustand ihres Nervenkostüms konnte man als „zerrüttet“ beschreiben. Rada ging es nur darum, ob sie ihre Aussagen, die sie bei der Polizei getätigt hatte, aufrecht halte – was sie tat.

Damit bestand keine Notwendigkeit, die 41-Jährige durch Nachfragen weiter zu belasten, da der Angeklagte voll umfänglich geständig war. Und dieses Geständnis hatte für den unbescholtenen 39-Jährigen einen großen Wert. Mit nur einem Fünftel des möglichen Strafrahmens für die fortgesetzte Gewaltausübung und die Körperverletzung – also sechs Monaten – maß Rada das Urteil milde aus, zumal die Freiheitsstrafe bedingt verhängt wurde. Begegnen werden sich die Ex-Partner trotzdem weiterhin. Sie haben zwei Kinder zusammen.

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