Missbrauchs-Vorwurf: Jetzt spricht der Verteidiger. Ehemaliger Stadtrat sitzt weiterhin in Untersuchungshaft. Nun meldet sich sein Strafverteidiger zu Wort: „Bis jetzt gibt es nur eine Papieraussage.“

Von Thomas Schindler und Christoph Reiterer. Erstellt am 23. Februar 2018 (03:42)
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Strafverteidiger Roland Friis: „Mein Mandant bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.“
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Der Fall rund um den mittlerweile abgesetzten und aus der Partei geworfenen VP-Stadtrat – er soll einen 13-jährigen Burschen sexuell schwer missbraucht haben – beschäftigt nach wie vor die Justiz. Jetzt meldet sich der Strafverteidiger des Beschuldigten, Roland Friis, gegenüber der NÖN zu Wort: „Mein Mandant bestreitet alle Vorwürfe.“

NÖN.at berichtete

Es gebe mittlerweile einen dicken Akt mit Protokollen der Einvernahmen von Burschen, die beim Verdächtigen ein- und ausgingen. Friis: „Sie alle sagen, dass es zu keinem Zeitpunkt irgendetwas in dieser Richtung gab. Nur einer aus schwierigem Hause behauptet das.“ Nun gelte es, die kontradiktorische Einvernahme dieses Burschen abzuwarten. Erst dann könne über dessen Glaubwürdigkeit geurteilt werden. „Bis jetzt gibt es ja nur eine Papieraussage“, so der Strafverteidiger.

Strafverteidiger ärgert sich über Staatsanwalt

Nicht nachvollziehen kann Friis die Aussage von Friedrich Köhl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, der auf die Frage, ob der Verhaftete nicht unschuldig sein könnte, meinte: „Grundsätzlich nein. Es besteht nach wie vor der dringende Tatverdacht. Würde es diesen nicht geben, müssten wir den Verdächtigen sofort enthaften.“ Damit werde ja die Unschuldsvermutung ad absurdum geführt, meint Friis.

Fakt ist: Der Marchfelder sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft und die Polizei-Erhebungen gehen weiter. Geprüft wird, ob es noch andere mögliche Opfer gibt. Dem Mann drohen im Falle einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft. Zur Erinnerung: Beim Beschuldigten gingen jahrelang Kinder und Jugendliche ein und aus. Der Politiker argumentierte stets damit, dass er sich ehrenamtlich um Kids, die aus schwierigen häuslichen Verhältnissen stammen, kümmere.