SP Gänserndorf kritisiert neues Sammeltaxi . „Viel versprochen, wenig gehalten“, meinen die Roten. VP-Bürgermeister Lobner kontert.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 10. April 2019 (03:10)
SPÖ; NÖN; ÖVP
Links: SP-Stadtrat Michael Hlavaty: „Das Konzept ist komplett unausgegoren."; Mitte: SP-Stadträtin Ulrike Cap: „Warum ein Komfortzuschlag?“; Rechts: VP-Stadtchef Lobner: „Die SPÖ braucht Projekt nicht schlechtreden.“

„Über 70.000 Euro werden hier jährlich versenkt“, poltert SP-Stadtrat Michael Hlavaty kurz nach der Inbetriebnahme des neuen Anrufsammeltaxis „Marchfeld mobil“. Wie die NÖN berichtete, ist dieses seit 1. April in der Stadt Gänserndorf und 19 weiteren Gemeinden im Marchfeld unterwegs. Betrieben wird das „Marchfeld mobil“ von einer landeseigenen GmbH.

Die SPÖ ist vom Endergebnis der Planungen nicht überzeugt. Klar sei sie in der damaligen Gemeinderatssitzung für die Subventionierung der GmbH und des Konzeptes gewesen, schließlich fehlten der Stadt lokale Nahverkehrslösungen. „Allerdings befand sich alles noch in der Planungsphase. Das nun präsentierte Konzept ist komplett unausgegoren“, so Hlavaty. Auch SP-Stadträtin Ulrike Cap sieht im neuen Mobilitätskonzept beträchtliche Mängel: „Warum ein Komfortzuschlag? Dann noch eine Erhöhung ab 20 Uhr von 2 auf 4 Euro?“ Das Fahrzeug bleibe doch dasselbe, also könne sich der Komfort nicht plötzlich erhöhen.

"Kosten für Jugendliche sind zu hoch"

Beide SP-Mandatare halten die Tarifstruktur für zu unübersichtlich und die Kosten für den einzelnen Nutzer für zu hoch. Sie stellen eine Beispielrechnung auf: „Wenn drei Jugendliche, die keine VOR-Zeitkarte besitzen, ins Parkbad nach Schönkirchen-Reyersdorf fahren wollen, so kostet dies 5,60 Euro pro Person, für alle zusammen also 16,80 Euro und inklusive Rückfahrt 33,60 Euro.“ Dies sei viel zu viel.

VP-Bürgermeister René Lobner spricht von einer „mehr als entbehrlichen Kritik“. Warum? „Weil die SPÖ den neuen Fahrtendienst offenbar noch nicht verstanden hat. Es gibt insgesamt 650 Haltepunkte in 20 Marchfeld-Gemeinden. Deshalb wird ein Komfortzuschlag verrechnet. Die Tarifmatrix zeigt, dass man mit dem ,Marchfeld mobil‘ sehr günstig unterwegs ist.“ Und zum Beispiel Freibad: „Eine reguläre Taxifahrt vom Bahnhof Gänserndorf ins Parkbad kostet 9 . Mit dem ,Marchfeld mobil‘ in Verbindung mit dem Top-Jugend-Ticket fährt man wochentags um 2 Euro.“

Die bisherigen Zahlen (1. bis 4. April) zeigen, dass das neue Sammeltaxi sehr gut angenommen werde, so Lobner: „Wir haben bereits 112 registrierte ,mobilCard‘-Kunden, was für den Start eine beachtliche Summe darstellt. Insgesamt gab es in den ersten vier Tagen 141 Fahrten und 166 Fahrgäste.“ Somit könne man jetzt schon von einem Erfolg sprechen.