Nach Diskussion kontern S8-Gegner. Anwaltsbüro kritisiert „einseitige“ Videokonferenz zur Marchfeld-Schnellstraße.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 04. Dezember 2020 (04:32)
Die Marchfeld-Schnellstraße S8 ist weiterhin Gegenstand von Diskussionen, weil sie den Triel beeinträchtigen soll.
Asfinag

Nachdem VP-Landtagsabgeordneter René Lobner zu einer öffentlichen Videokonferenz zur Realisierbarkeit der Marchfeld-Schnellstraße S8 mit VP-Landesrat Ludwig Schleritzko, Asfinag-Geschäftsführer Alexander Walcher, dem Landschaftsökologen Thomas Knoll und dem Triel-Experten Rainer Raab geladen hatte (die NÖN berichtete), reagiert nun die Gegenseite in Form eines offenen Briefes des Anwaltsbüros List auf die Diskussion.

„Dass die Konferenz einseitig geführt wurde, ist wohl nicht weiter überraschend, zumal für Sie einzig und allein die Realisierung der S8 auf der vorgesehenen Trasse Thema ist“, heißt es dort einleitend.

Österreich stehe im Naturschutzranking in Europa an vorletzter Stelle und in diesem Zusammenhang sei es von entscheidender Bedeutung, dass sich das Natura-2000-Gebiet Sandboden und Praterterrasse in einem schlechten Erhaltungszustand befinde, genauso wie der Lebensraum des Triels in dem Vogelschutzgebiet.

„Der Trielbestand der Adultvögel hat laut BirdLife Österreich in den letzten zehn Jahren kontinuierlich abgenommen und der Bruterfolg hat sich sehr verschlechtert“, lässt das Anwaltsbüro wissen: „Es ist doch wohl klar verständlich, dass es europarechtlich unzulässig ist, in einem Natura-2000-Gebiet in schlechtem Erhaltungszustand – in genau dem Bereich, in dem der nahezu letztverbliebene Vogel noch brütet – eine Autobahntrasse zu führen.“

Weiters stelle sich daher die Frage, warum Asfinag und Land es nicht geschafft haben, innerhalb von zehn Jahren eine Trassenverschwenkung bzw. -vergrabung durchzuführen: „Wir haben immer wieder auf dieses Erfordernis hingewiesen. Die Antwort war immer, dass eine Trassenänderung nicht geht, weil sie aus europarechtlicher Sicht nicht genehmigungsfähig wäre. Tatsächlich ist aber die eingereichte Trasse nicht genehmigungsfähig.“