Neun Jahre Haft für Ex-Stadtrat. So lautet das Urteil, das das Landesgericht Korneuburg am Freitagabend verhängte. Es ist aber noch nicht rechtskräftig, weil sowohl der Strafverteidiger des Marchfelders, Roland Friis, als auch die Staatsanwältin Berufung einlegten.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 12. Oktober 2018 (18:35)
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Friis erhob zudem Nichtigkeitsbeschwerde.

Wie die NÖN berichtete, musste sich der 38-jährige Ex-Politiker wegen schweren sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung von unmündigen Burschen verantworten. Mildernd wirkten sich bei der Strafbemessung die bisherige Unbescholtenheit des Mannes sowie ein Teilgeständnis aus.

Der Angeklagte gab nämlich bei der Verhandlung zu, dass er in drei Fällen sein Autoritätsverhältnis ausgenutzt und sexuelle Handlungen bzw. Betastungen vorgenommen habe. Dafür entschuldigte er sich auch.

Insgesamt vier Opfer betroffen

Die Vorwürfe eines heute 15-Jährigen, dass er von ihm vergewaltigt worden sei, bestritt der Marchfelder jedoch vehement. Ein Erschwerungsgrund wiederum war laut Richter der sehr lange Deliktzeitraum und der Umstand, dass insgesamt vier Opfer betroffen waren.

Worauf stützt sich eigentlich der Schuldspruch? Ein psychologisches Gutachten einer vom Gericht bestellten Sachverständigen bescheinigte dem 15-Jährigen eine posttraumatische Belastungsstörung. Die in der Anklage angeführten Tathandlungen seien geeignet, ein derartiges Krankheitsbild auszulösen. Für das Gericht war das Gutachten absolut schlüssig.

Opfer als Lügner dargestellt

Die Staatsanwältin kritisierte, dass der 15-Jährige in den vergangenen Monaten immer wieder als „Lügner dargestellt wurde“. Nun sei bewiesen, dass der Bursch die Wahrheit sagte. Und warum habe er nach den Übergriffen weiterhin den Kontakt zum Angeklagten gesucht? Weil er diese vor allem am Anfang nicht richtig einordnen habe können. Er habe die Vorfälle bis zu einem Zeitpunkt verdrängt, an dem es nicht mehr ging.

Verteidiger Friis wiederum gab zu bedenken, dass der nunmehr 15-Jährige nach der letzten mutmaßlichen Vergewaltigung noch beim Beschuldigten einziehen wollte: „Dass der Bursch dies wollte, wenn die Vorwürfe stimmen, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.“ Die Vorwürfe, die sein Mandant gestand, sollen bestraft werden, aber nicht mehr.

Wie erklärte sich die Psychologin den Umstand, dass der Bursch trotz allem in die Wohnung des Marchfelders übersiedeln wollte? Für sie sei dies kein Widerspruch.