Personalmangel: Spargelernte in Gefahr. Saisonarbeiter aus Osteuropa arbeiten wegen höherer Bezahlung lieber in Deutschland. Landwirtschaftskammer will Asylberechtigte zu Erntehelfern ausbilden lassen.

Erstellt am 16. Mai 2018 (06:00)
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NÖ Landwirtschaftskammer-Präsident Hermann Schultes fordert von der Regierung Kontingentplätze.
NÖN-Archiv

Im Marchfeld wird auf knapp 480 Hektar Spargel angebaut, 60 Prozent der gesamten Inlandsproduktion kommen aus dieser Region. Durchschnittlich werden drei bis vier Tonnen je Hektar geerntet. Derzeit warten große Mengen des „weißen Goldes“ auf den Feldern, die in relativ kurzer Zeit eingeholt werden müssen.

Am Montag machte sich große Aufregung unter den Spargelbauern breit, da die Erntehelfer ausblieben. In der heimischen Landwirtschaft fehlen derzeit bis zu 350 Saisonarbeitskräfte. Diese kamen bisher vorwiegend aus Osteuropa. Seit der Einführung des Mindestlohns in Deutschland arbeiten sie jedoch lieber im Nachbarland. Dort erhält jeder Erntehelfer derzeit 9,10 Euro, wegen der geringen Lohnnebenkosten bleibt netto mehr im Börsel übrig. Demgegenüber beträgt der Stundenlohn eines Erntehelfers bei einem Einsatz auf einem niederösterreichischen Spargelfeld nur 6,30 Euro.

Spargelbauer Werner Magoschitz aus Mannsdorf meldete sich als Betroffener beim ORF zu Wort: „In unserem Betrieb können wir etwa ein Fünftel der Flächen nicht oder nur teilweise ab ernten. Für einen Hektar benötigen wir in acht Wochen 800 Arbeitsstunden, wir haben also sehr hohe Lohnkosten.“ Manche Spargelbauern wären derzeit gar nicht dazu in der Lage, ihre Ernte einzuholen. Diese Situation sei für einige Bauern existenzgefährdend.

„Andere Länder können billiger produzieren“

Magoschitz ergänzt: „Einfach mehr bezahlen kann die Landwirtschaft nicht, weil andere Länder billiger produzieren können. Der Marktpreis ist insgesamt sehr niedrig.“ Die meisten Österreicher würden diesen Job nicht machen wollen, da die Arbeit enorm anstrengend ist.

Hermann Schultes, Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, warnt: „Wir haben einerseits nicht die Möglichkeit, Personal aus der Ukraine oder Mazedonien zu holen, da das Kontingent erschöpft ist, andererseits verlieren wir gute Leute an die Bauwirtschaft und nach Deutschland.“

Die Situation betreffe viele Bereiche in der Landwirtschaft, vom Obstbau bis zum Weinbau. Prekär sei die Lage derzeit aber vor allem bei den Spargelbauern im Marchfeld. Die Regierung müsse dringend Kontingentplätze freigeben, dann könne die Landwirtschaftskammer in der Ukraine und in Mazedonien um Erntehelfer werben.

Zusätzlich sollten – gemeinsam mit dem AMS – Maßnahmen gesetzt werden, um Asylberechtigte auszubilden und diese in die Landwirtschaft zu bekommen, so Schultes abschließend.