Schwere Vorwürfe: „Arzt hat mein Leben ruiniert“. Marchfelder ließ sich wegen Gallensteinen operieren. Seither hat er keine Bauchdecke mehr, dafür Schmerzen.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 07. November 2018 (06:00)
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In einer mehrstündigen Notoperation wurde dem Marchfelder in letzter Minute das Leben gerettet. Seinen ursprünglichen Chirurgen hat er nun bei der Staatsanwaltschaft und der Ärztekammer angezeigt.gpointstudio
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„Ich hatte ihm vertraut, wir waren gute Bekannte“, erzählt der Unternehmer aus dem Marchfeld im NÖN-Gespräch. Er meint damit einen Chirurgen aus dem Bezirk Bruck/Leitha. Dieser soll den Marchfelder während einer harmlosen Gallenstein-Operation „fast umgebracht“ haben.

Der Unternehmer könne seither nur noch mit jeder Menge Schmerztabletten leben: „Weil ich keine Bauchdecke mehr habe.“ Der Chirurg wiederum ist sich keiner Schuld bewusst: „Komplikationen kann es immer geben. Ich hatte alles getan, was in meiner Macht stand.“ Jetzt liegt der Fall beim Gericht.

„Dieser Chirurg hat immer nur beschwichtigt. Die Schmerzen seien nach so einer Operation normal.“ Der Marchfelder Unternehmer ist mehr als verärgert.

Die Vorgeschichte: Es war im Juli 2016, als der Marchfelder in einer Privatklinik, in der sich der niedergelassene Chirurg eingemietet hatte, operiert wurde. Bei der OP dürfte aber etwas schiefgegangen sein. „Ich hatte Schmerzen und hohes Fieber. Beides wurde mit Medikamenten behandelt.“ Was zu diesem Zeitpunkt niemand wusste: Drei Tage lang dürfte dem Marchfelder Gallenflüssigkeit in den Bauchraum gelaufen sein. „Zum Schluss war alles verätzt und die Bauchmuskeln hatten sich aufgelöst.“

Als man den Ernst der Lage erkannte, wurde der Unternehmer sofort in ein anderes Krankenhaus verlegt, wo vom dortigen Arzt eine mehrstündige Notoperation durchgeführt wurde: „Dieser Mediziner rettete mich. Meine Überlebenschance war damals nur noch sehr gering.“

Später folgte eine weitere Operation, um die zerstörte Bauchdecke mit Kunststoff-Netzen zu reparieren – ohne Erfolg, die Netze rissen. Insgesamt verbrachte der Marchfelder 2,5 Monate im Krankenhaus-Bett. Demnächst soll es eine weitere OP geben. Noch einmal werde man versuchen, die fehlenden Bauchmuskeln mittels besagter Netze zu rekonstruieren.

"Dieser Chirurg hat immer nur beschwichtigt"

Mittlerweile hat der Unternehmer um viel Geld verschiedene medizinische Gutachten eingeholt. Diese bescheinigen dem Chirurgen aus dem Bezirk Bruck einige Kunstfehler. So soll er unter anderem den Gallengang durchtrennt haben, weil er ihn mit dem Gallenblasengang verwechselt habe. Dadurch sei die Gallenflüssigkeit in den Bauchraum geflossen und habe irreparable Schäden verursacht.

Der Marchfelder hat nun Anzeige bei der Staatsanwaltschaft und der Ärztekammer erstattet. Was ihn neben den medizinischen Problemen auch stört: „Dieser Chirurg hat immer nur beschwichtigt. Die Schmerzen seien nach so einer Operation normal etc. Er hat mich überhaupt nicht ernst genommen und mich als Hypochonder hingestellt.“

Der Chirurg selbst will sich gegenüber der NÖN nicht weiter äußern und verweist auf das laufende Gerichtsverfahren.