Wirbel um geplante Stromleitung. Anrainerin aus Untersiebenbrunn behauptet, dass die geplante 110-kV-Freileitung unnötig sei, weil die EVN schon ein Erdkabel nach Baumgarten betreibe. Die EVN dementiert.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 04. September 2021 (05:04)
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Die von der EVN geplante Starkstrom-Freileitung durch das Marchfeld sorgt nach wie vor für Gesprächsstoff.
Shutterstock/Aunging

Nachdem das Landesverwaltungsgericht die Bewilligung der EVN für eine Stromleitung zwischen Untersiebenbrunn und Stripfing aufhob ( die NÖN berichtete ), geht es rund. Eine Untersiebenbrunner Grundstücksbesitzerin kann die Argumente der EVN nicht nachvollziehen, wonach die besagte Leitung dringend nötig sei: „Es gibt doch schon eine von Schönkirchen aus.“

Zur Erinnerung: Die EVN will eine 8,15 Kilometer lange 110-kV-Freileitung vom bestehenden Umspannwerk Untersiebenbrunn über das Gemeindegebiet von Weiden zu einem geplanten Umspannwerk in Stripfing errichten. Die Leitung sei notwendig, damit die OMV ihre Verdichterstation in Baumgarten mit Ökostrom betreiben kann und nicht mehr mit fossilen Brennstoffen befeuern muss. Weiters soll die Leitung dazu dienen, Strom von künftigen Photovoltaik-Anlagen und Windrädern aufzunehmen.

18 km langes Erdkabel existiert bereits

Die Gegner des Projekts lehnen eine Freileitung durch das dort befindliche Natura-2000-Schutzgebiet ab und fordern stattdessen ein Erdkabel. Das Gericht gab ihnen recht, die EVN wird nun auch diese Variante prüfen müssen.

Jetzt meldet sich aber noch jemand zu Wort, nämlich Elfriede Fuhrmann aus Untersiebenbrunn. Die Grundstücksbesitzerin erinnert sich: „Es gibt einen Bescheid von 2009. In diesem erteilte das Land NÖ der OMV die Bewilligung zum Bau einer 110-kV-Erdkabel-Anlage vom Umspannwerk Schönkirchen bis zur Verdichterstation in Baumgarten.“ 2014 erklärte die OMV, dass sie gemeinsam mit der EVN das Umspannwerk Schönkirchen errichtet hat. Von diesem führt ein 18 km langes Erdkabel mit 110 kV nach Baumgarten.

EVN: bestehendes Erdkabel entspricht nicht den Standards

Fuhrmann: „Die EVN dürfte vergessen haben, Kooperationspartner am Umspannwerk Schönkirchen zu sein und einen Liefervertrag über das bestehende 110-kV-Erdkabel mit der OMV zu haben.“

Die EVN weist den Vorwurf zurück. Sprecher Stefan Zach: „Die genannte Leitung ist nicht von uns. Sie wurde im Auftrag der OMV errichtet und entspricht technisch nicht dem Standard, nach dem wir unsere Leitungen auslegen. Deshalb möchte die OMV ja, dass wir ihre Verdichterstationen über unsere noch zu errichtende 110-kV-Leitung versorgen.“

Die EVN spricht sich übrigens nach wie vor gegen ein Erdkabel aus. Zach: „Das entspricht nicht dem Stand der Technik und der Versorgungssicherheit, die wir in unseren Netzen einsetzen. Auch die Trassenführung durch ein Natura-2000-Gebiet mit besonderen Sanddünen-Formationen wäre aus Naturschutzgründen mit einem Erdkabel extrem problematisch.“