S8: Streit wegen Werbung . Landwirt Haindl will, dass sein Name gelöscht wird. VP will sich nicht „mundtot machen lassen“.

Von Robert Knotz. Erstellt am 19. August 2020 (03:03)
Leopold Haindl ist wegen der Veröffentlichung seines Namens sauer.
privat

Das Tauziehen rund um die Marchfeld-Schnellstraße S8 geht in die nächste Runde. Die Befürworter starteten auf der Petitions-Homepage der ÖVP eine Kampagne mit Sprüchen wie „Bau statt Stau“ oder „Stillstand beenden – S8 für mehr Lebensqualität“. Die Bilder mit den Sprüchen sind übrigens zum Download für Facebook und Co konzipiert.

So präsentiert sich die VP-Petitions-seite.
Screenshot

Einer davon lautet auch: „Die S8 bei uns ein jeder will. Dagegen sind nur Haindl, Rehm und der Vogel Triel.“ Dieser Reim und die Tatsache, dass damit sein Name „unzulässig“ veröffentlicht wird, bringt Landwirt Leopold Haindl aus Markgrafneusiedl in Rage. Er hat nun über Anwalt Wolfgang List die Volkspartei aufgefordert, seinen Namen in diesem Zusammenhang zu entfernen. Sollte dies nicht geschehen, werde man rechtliche Schritte einleiten.

„Mich ärgert auch, dass ich immer in einem Atemzug mit den S8-Gegnern genannt werde. Dabei bin ich grundsätzlich nicht gegen die Marchfeld-Schnellstraße“, erläutert Haindl im NÖN-Telefonat.

Viel mehr sei es die Trassenführung, die Haindls Betrieb massiv gefährden würde. „Die Straße würde meine Anbaugebiete spalten. Wir haben jahrelang nach Wasser gesucht und schließlich den Großteil unserer Brunnen dort gebaut. Die Autobahn würde ein Bewässern unserer Kulturen verhindern“, so Haindl weiter.

Und falls dies doch irgendwie möglich wäre? „Wer würde schon Bio-Aroniabeeren kaufen, die neben einer Autobahn wachsen?“ Haindl betont nochmals, dass sich sein Protest lediglich gegen die Trassenführung über seine Felder richtet. In der Causa rund um seine Namensnennung reagierte auch die ÖVP: Wie es in einem Schreiben des Landesgeschäftsführers Bernhard Ebner heißt, wolle man sich „nicht mundtot machen lassen“.

„Das kann vielleicht anderswo funktionieren, aber die Volkspartei NÖ wird sich durch eine mögliche Klage sicher nicht abschrecken lassen.“ Man würde sich weiter für die S8 einsetzen. „Der Zuspruch zur Online-Petition gibt unserem Engagement recht: Mittlerweile haben sich mehr als 7.300 Landsleute unter www.ja-zur-s8.at für die Straße ausgesprochen. Seit Juni liegen die Unterschriftenlisten auch auf Gemeindeämtern, in Lokalen und Geschäften in der Region auf“, betont Ebner.

Bereits im Vorfeld hatte Haindl den Kopf der S8-Initiative, VP-Landtagsabgeordneten René Lobner, wegen angeblicher Beleidigungen geklagt. Die NÖN fragte nach, wie der aktuelle Stand der Dinge sei. „Das Verfahren ist in Schwebe. Die Richter wollen, dass wir uns einigen“, so Haindl. Dies sei auch in seinem Sinne, er wäre schließlich ein friedfertiger Mensch.