Neues Buch: Von der Juristin zum Pfarrerlehrling. Matzener Psychotherapeutin Rotraud A. Perner spricht über ihr aktuelles Werk.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 23. Dezember 2017 (05:41)
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Rotraud A. Perner, promovierte Juristin und bekannte Psychoanalytikerin, präsentiert ihr neuestes Buch „Als Pfarrerlehrling in Mistelbach“, ein multidisziplinäres Tagebuch über ihr Studium der Theologie mit Hintergründen und analytischen Vergleichen der Psychoanalyse mit der Seelsorge.
NOEN, Mauritsch

Was veranlasst eine Frau im dritten Lebensabschnitt, nach zwei fundierten Ausbildungen das Studium der Theologie zu beginnen? Warum bekennt sich das ehemalige Vorstandsmitglied des Österreichischen Freidenkerbundes zum christlichen Glauben? Rotraud A. Perner beschreibt in ihrem neuesten Buch „Als Pfarrerlehrling in Mistelbach“ diesen doch ungewöhnlichen Werdegang.

In ihrer Jugend absolvierte sie, mehr aus der Not heraus, ein Jusstudium, um von ihrem patriarchischen Vater unabhängig zu sein. Der Juristerei folgte die Psychoanalyse, ein Bereich, in dem die umtriebige Frau schon lange und sehr erfolgreich präsent ist. Dazu kam politisches Engagement bei den Sozialisten. Eines zog sich jedoch wie ein roter Faden durch ihr Leben – die Suche nach Gerechtigkeit.

„Was mir politisch wichtig war, finde ich jetzt im Glauben“, so Perner. Ein Satz, der säkularen Denkern wohl Falten auf die Stirn zeichnet und doch kein Widerspruch ist, wenn „frau“ einen dermaßen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hat wie die 2016 ordinierte evangelische Pfarrerin. Zuständig ist Perner nun für die Hochschulseelsorge in Niederösterreich mit Fokus auf die Verbindung von Evangelium, Wissenschaft und Öffentlichkeit.

Erster Anstoß kam bereits im Jahr 1985

Der Anstoß kam schon 1985, als die damalige Bezirksrätin eher zufällig das Friedensgebet von Franz von Assisi las. Und doch dauerte die Hinwendung zur christlichen Seelsorge noch 25 Jahre, den letzten Ausschlag gab ein schwerer Autounfall 2010. Noch im selben Jahr begann sie das theologische Fachstudium, das neben religiösen und organisatorischen Inhalten auch das Erlernen der hebräischen Sprache erforderte – für mitteleuropäische Zungen nicht gerade einfach.

Nur eine kleine Konzession macht die nach wie vor als Psychoanalytikerin praktizierende „frischgebackene“ Pfarrerin – sie gab die Praxis in Wien auf und konzentriert ihre Tätigkeit auf den Standort Matzen. Zumindest für die psychische Betreuung ihrer Klienten, in der Krisenintervention und eben als evangelische Seelsorgerin ist Perner nach wie vor dort, wo sie gerade gebraucht wird.