Dechanthof in der Krise. Zum ersten Mal seit 13 Jahren musste das Tierheim in Mistelbach einen Verlust verzeichnen – die Pandemie spielte dabei eine große Rolle.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 10. April 2021 (04:27)
Kater „Berti“ aus Zwerndorf frisst bereits wieder selbstständig und zeigt, dass er ein kleiner Kämpfer ist.
Dechanthof, Dechanthof

Tagelang streunte ein furchtbar kranker Kater um das Haus einer älteren Dame in Zwerndorf. Er verlor überall Eiter und war in einem erbärmlichen Zustand. Der Vierbeiner wurde eingefangen, von einer Mitarbeiterin de Tierheims Dechanthof in Mistelbach abgeholt und in die Klinik gebracht.

Hier zeigte sich ein alter, falsch zusammengewachsener Bruch im Brustbein und eine Verletzung am Kopf – der Kater, „Berti“, hat also sicherlich schon einmal einen Unfall gehabt. Der eitrige Ausfluss, der sein ganzes Gesicht verklebt hatte, kam jedoch aus Augen und Nase und entpuppte sich als Folge von starkem Katzenschnupfen. So konnte der Kater auch nur noch mit Atemnot fressen. Nach der erfolgten Reinigung und einem Tag der Intensivbehandlung konnte „Berti“ ins Tierheim überstellt werden und wird in der Quarantänestation weiter behandelt.

Die Kosten für die nächtliche Notfallversorgung, Röntgen, Blutuntersuchungen und Medikamente konnten mit Spendengeldern gedeckt werden, doch die laufenden Kosten zur Versorgung müssen weiterhin bezahlt werden. Schauplatz Prottes: Die etwa sieben Monate alte Katze „Nathea“ wurde hochträchtig aufgefunden und über das „Team Miau“ ( https://www.teammiau.at/ ) ins Tierheim Dechanthof gebracht. Die Geburt steht in den nächsten Tagen bevor, die Tierheim-Mitarbeiter hoffen, dass alles gut geht.

So liebevoll die Menschen im Tierheim sich um ihre meist vierbeinigen Pfleglinge kümmern, so dringend brauchen sie auch in Zeiten der Pandemie Unterstützung: „In meiner 13-jährigen Amtszeit als Vereinspräsident mussten wir zum ersten Mal einen Verlust verzeichnen. Der Jahresabschluss ergab ein Minus von 17.993 Euro. Dem Defizit liegt überwiegend die Corona-Pandemie zugrunde: Hoffeste konnten nicht veranstaltet werden und für Besucher blieben die Pforten geschlossen. Fazit: Ein Entgang von Spendengeldern, die wir dringend für die Versorgung unserer Schützlinge benötigen“, zeigt sich der ehrenamtliche Vereinspräsident Otto Vogl-Proschinger verzweifelt.

Darüber hinaus waren die Ausgaben 2020 geprägt von sehr hohen veterinärmedizinischen Kosten, wie Vogl-Proschinger berichtet: Es mussten außergewöhnlich viele Katzen mit schwersten Verletzungen tierärztlich betreut und versorgt werden. „Bei der Abgabe von kranken Haustieren im Tierheim durch deren Besitzer ist leider in den letzten Jahren eine steigende Tendenz zu bemerken“, seufzt Vogl-Proschinger.

„Nathea“ musste gegen Katzenschnupfen behandelt werden und wird demnächst Mama.
NOEN, Dechanthof

Und weiter: „Im Rahmen unserer Möglichkeiten werden diese Tiere vor einer Weitervermittlung natürlich medizinisch behandelt und, so weit es möglich ist, gesund gepflegt. Oft und oft dauert der Heilungsprozess jedoch einige Monate. Der finanzielle Aufwand stellt meist ein Vielfaches gegenüber dem eingenommenen Unkostenbeitrag bei einer Tiervermittlung dar.“

Auch die Personalkosten bedeuten einen enormen finanziellen Aufwand, jedoch sind sie für die Aufrechterhaltung des Tierheimbetriebes notwendig. „Der Dechanthof ist im Weinviertel für die Verwaltungsbezirke Mistelbach, Gänserndorf und Korneuburg zuständig. An 365 Tagen im Jahr sind wir 24 Stunden täglich im Einsatz, um bedürftigen Haustieren zu helfen und unsere Schützlinge bestmöglich zu versorgen“, lässt der Präsident wissen. Wer das Tierheim unterstützen will, findet Infos dazu auf der Website https://www.tierheim-dechanthof.at/ .