Mitarbeiter-Kahlschlag bei Shire in Orth. Wie die NÖN in Erfahrung bringen konnte, plant die Firma Shire am Standort Orth 400 Mitarbeiter zu kündigen. Das wäre ein katastrophaler Schlag für den Wirtschaftsstandort im Bezirk. Ursprünglich war hinter vorgehaltener Hand zu hören, dass sogar 600 Angestellte gehen sollen, das konnte aber nicht verifiziert werden.

Von Stefan Havranek und Redaktion, APA. Update am 22. Juni 2017 (09:43)
APA/Herbert Neubauer

Noch ist nicht viel bekannt, von der Firma selbst war keine Auskunft zu bekommen, da der zuständige Mitarbeiter gerade am Standort weilt und nicht erreichbar ist. Bestätigung für die Gerüchte kommt aber vom Orther VP-Bürgermeister Johann Mayer: „Ich wurde am Vormittag von einem Mitarbeiter der Firma Shire informiert, dass 400 Mitarbeiter gehen müssen und nur 300 bleiben können.“

Orths VP-Bürgermeister Johann Mayer bedauert die Entlassungen. Foto: Archiv
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Shire ist einer der größten Arbeitgeber in der Region und am Standort Orth fanden viele Menschen aus dem Bezirk Arbeit. Wen die Kündigungen konkret betreffen, kann derzeit noch nicht gesagt werden, in diesen Stunden werden die Mitarbeiter informiert.

„Man kann erst mehr sagen, wenn man weiß, welche Abteilungen konkret betroffen sind“, erklärt Mayer, der aber niedergeschlagen anmerkt: „Das wäre für die Region natürlich eine Katastrophe. In erster Linie natürlich für die betroffenen Arbeitnehmer, aber auch die Gemeinde würde massiv an Steuereinnahmen einbüßen.“

Die NÖN wartet noch auf eine Stellungnahme der Firma zu den Kündigungen.

Stellenabbau bei Shire: Sozialplan steht

Rund um einen geplanten Stellenabbau bei Shire in NÖ und Wien hat die Biotechnologie-Firma am Mittwoch in einer Stellungnahme von einem "Übergang" gesprochen, der in mehreren Stufen über die nächsten Jahre erfolge. Ein Sozialplan sei ausverhandelt worden, hieß es von Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ) und Gewerkschaft, die ihr Unverständnis für geplante Kündigungen äußerten.

Der Betriebsrat hat bereits einen Sozialplan ausverhandelt, der im Vergleich mit anderen Lösungen "wirklich gut" sei, sagte Barbara Teiber, Regionalgeschäftsführerin der GPA-djp, auf Anfrage der APA. Darin sei auch eine Arbeitsstiftung vorgesehen. Der Sozialplan soll bis Ende 2018 laufen und beinhalte Sonderregeln für ältere Angestellte über 50 Jahren. Besonders an dem Stellenabbau sei, dass in allen Altersklassen überwiegend gut qualifizierte Menschen betroffen seien.

Von der Gewerkschaft her gebe es "großes Unverständnis", dass Stellen abgebaut werden, obwohl der Standort gut laufe und Gewinne schreibe, sagte Teiber. Die Entscheidung sei aber offensichtlich in der Zentrale in den USA gefallen. Viele Details seien aber noch nicht klar. Auch AKNÖ-Präsident Markus Wieser erklärte, er habe überhaupt kein Verständnis für die Kündigungen, da keine wirtschaftliche Notwendigkeit bestehe.

Laut AKNÖ-Informationen wurden im AMS-Frühwarnsystem bis zu 650 Shire-Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet. Davon seien zwei Drittel am Standort Orth an der Donau (Bezirk Gänserndorf) und ein Drittel in Wien tätig. Wie viele Arbeitsplätze tatsächlich abgebaut werden, werde sich erst herausstellen.

Laut Firmenangaben werden u.a. ein zentrales Prozessentwicklungs-Team und die Plasma-Qualitätskontrolle nach Wien verlegt. "Wien, als der aktuell größte Shire Standort in Österreich, wird mit dem Transfer der Plasma-Qualitätskontrolle und dem Aufbau eines globalen Kompetenzzentrums für Abfüllung eine zunehmend bedeutende Rolle im Shire Netzwerk spielen", teilte das Unternehmen mit.

Parallel dazu werde ein "Innovations-Hub" in Österreich errichtet, in dem sich das Forschungsteam in Orth künftig auf Gentherapie und Hämatologie fokussiere. Eine kleinere Forschungs- und nicht-klinische Entwicklungsabteilung bleibe in Orth, der Rest der Kompetenzen werde im britischen Cambridge gebündelt.

Das Unternehmen begründete die Entscheidung, diverse Bereiche zu verlagern, mit einer strategischen Studie zum Produktionsnetzwerk, die nach der Übernahme von Baxalta durchgeführt worden sei. Mit dem Assessment soll dem Unternehmen zufolge das interne und externe Versorgungsnetz analysiert und optimiert werden. Die Ergebnisse seien an die Mitarbeiter kommuniziert worden.

Im Juni 2016 wurde die Fusion des britisch-irischen Unternehmens Shire und Baxalta Incorporated abgeschlossen. Shire beschäftigt derzeit 4.000 Mitarbeiter in Österreich in mehreren Gebäuden in Wien sowie in Orth an der Donau. Der Standort in Krems wurde im Vorjahr geschlossen. Betroffen waren 65 Mitarbeiter, die am Aufbau beteiligt gewesen waren.

Shire bestätigt Transfer von 500 Positionen

Von den Transferierungen bzw. Umschichtungen bei Shire sind laut der Biotechnologie-Firma 500 Positionen, der Großteil davon in Orth an der Donau (Bezirk Gänserndorf), betroffen. "Wie viele Stellen abgebaut werden, wissen wir zum heutigen Zeitpunkt noch nicht", hieß es am Mittwoch auf APA-Anfrage vom Unternehmen. Das entscheide sich in einem mehrstufigen Prozess über die nächsten zwölf Monate.

Im AMS-Frühwarnsystem seien vorsorglich mehr als 500 Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet worden. Es gebe einen Sozialplan, bestätigte das Unternehmen, ohne Details zu nennen. Der Standort Orth bekomme als "Innovations-Hub" einen anderen Schwerpunkt, Bereiche sollen auch nach Wien verlagert werden.