Enteignung? Daubelfischer proben Aufstand. Petrijünger von Mühlleiten sind im Clinch mit Stadt Wien, weil sie befürchten, dass ihnen Hütten weggenommen werden.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 14. Oktober 2020 (05:35)
Daubelfischer Eugen Calaras vor seinem Stelzenhaus: „Die Hütte haben meine Ahnen mit eigenen Händen gebaut. Ich hab die Stelzen gesetzt, jetzt soll ich sie der Stadt Wien schenken?“
Kremsmayer

Es ist ein idyllischer Streifen an der Donau, der von den Daubelfischern besiedelt ist. Unterhalb des Ölhafens reihen sich die Stelzenhäuschen auf Höhe der Ortschaft Mühlleiten donauabwärts bis fast nach Schönau – doch alles auf Wiener Territorium. Denn die gesamte Lobau ist bis hinunter nach Schönau Wiener Grund.

Neuerdings prangen auf eben diesen Fischerhäuschen mit ihren Fangnetzen davor Banner mit der Aufschrift, die Stadt Wien enteigne die Daubelfischer kaltblütig. Was ist hier los? Einer der Fischer, Eugen Calaras, erklärt ausführlich, sein Häuschen soll nicht mehr ihm gehören. Seine Ahnen hätten es mit eigenen Händen aufgebaut, er selbst habe die Stelzen erhöht und nun soll er es ersatzlos der Stadt zurückgeben, um das Ganze dann um einen teureren Zins „zurückzupachten“.

„Unter uns sind Mindestrentner, die sich jeden Euro absparen müssen, um an der Donau noch ein bisschen Paradies zu genießen“Daubelfischer Eugen Calaras

Einige Fischer hätten dies bereits getan, aber rund 40 Pächter wehren sich und wurden dafür mit Räumungsklagen eingedeckt. Die Fischereilizenz wurde ihnen entzogen und es drohen Besitzstörungsklagen, wenn sie mit dem Auto zufahren. Die Pächter demonstrierten nun schon vorm Wiener Rathaus und letzten Sonntag auch noch am Stephansplatz.

Mittlerweile haben „Aufmüpfige“ auch gegen den Wiener Forstdirektor Andreas Januskowecz Klage wegen Amtsmissbrauchs beim Bezirksgericht Donaustadt eingebracht. Warum zettelt die Stadt einen derartigen Konflikt an? Offenbar waren die Daubelfischer der Stadt schon länger ein Dorn im Auge, denn die Fischer waren in den seltensten Fällen noch Fischer, sondern genossen einfach ihr Freizeitdomizil in unvergleichlich ruhiger Nationalparklage.

Einige hatten auch immer öfter ihre Hütten recht großzügig umgebaut, waren mit dem Auto zugefahren und hatten ihre Gärten wenig artgerecht behübscht, auch das eine oder andere Festgelage wurde ihnen vorgeworfen – alles nicht im Sinne der Erfinder. Denn einst sorgten die Daubelfischer als Teil des Arbeiterfischereiverbandes mit der Fischerei schlicht für einen Teil ihres Auskommens.

Die Zeiten sind längst vorbei, doch die „Daubler“ wehren sich gegen das Image als privilegierte Kleingartler: „Wir sind keine Millionäre. Unsere Fischerhäuschen sind Hütten ohne Kanal- oder Stromanschluss. Es sind weder Partyhütten noch Schrebergartenhäuser. Unter uns sind Mindestrentner, die sich jeden Euro absparen müssen, um hier an der Donau ein kleines Paradies zu genießen“, schreiben sie. Die Stadt Wien hat auf die NÖN-Anfrage, die schriftlich erfolgen musste, bis Redaktionsschluss nicht reagiert.