Weinviertler „Sehnsuchtsorte“ eröffnen wieder. Große Kultureinrichtungen sperren bereits Mitte Mai auf, die kleineren warten noch ab. In den Innenräumen gilt Maskenpflicht.

Die Marchfeldschlösser Hof (im Bild) und Niederweiden sind ab 15. Mai wieder geöffnet – mit Auflagen. Foto: SKB/
Severin Wurnig
SKB/ Severin Wurnig

Ab Mitte Mai dürfen Museen und andere „Orte der Präsentation im künstlerisch-kulturellen Bereich“ wieder öffnen. Die NÖN hat nachgefragt: Gibt es schon konkrete Eröffnungstermine? Unter welchen Umständen wird ab Mitte Mai ein Museumsbetrieb möglich sein?

Steuerung & Kontrolle durch Besucherstrom-Management-System

Die Schloss Schönbrunn Kultur- und BetriebsgesmbH (SKB) öffnet bereits ab 15. Mai all ihre Standorte, darunter auch Schloss Hof und Niederweiden (Bezirk Gänserndorf).

„Gerade in Zeiten wie diesen wollen wir Menschen die Möglichkeit geben, Sehnsuchtsorte zu besuchen. Die Wiedereröffnung erfolgt selbstverständlich im Rahmen und unter Einhaltung der aktuellen Richtlinien und auf Basis eines Sicherheitskonzepts“, so SKB-Geschäftsführer Klaus Panholzer.

Die maximale Besucherzahl innerhalb der Schauräume, Kassenhallen und Shop-Bereiche beträgt eine Person pro 10 Quadratmeter. Die Steuerung und Kontrolle erfolgt durch das Besucherstrom-Management-System und Timeslots bzw. mittels Zählungen durch Schauraumaufsichten.

Auch Gruppen werden wieder eingelassen: Die Gruppengrößen sind derzeit auf maximal zehn Personen (inklusive Guide) beschränkt. Vermittlungsprogramme (z.B. Kuratorenführungen) werden auch wieder angeboten, aber auch hier mit einer maximalen Teilnehmerzahl von zehn Personen. Zudem ist es aktuell verpflichtend, innerhalb der Schauräume, Kassenhallen und Shop-Bereiche Schutzmasken zu tragen. Die Mitarbeiter werden mit Kunststoff-Visieren mit Kopfband ausgestattet. Neben der Dauerausstellung im Schloss Hof ist mit 15. Mai erstmals die Sonderausstellung „Sisi – Mensch & Majestät“ im Schloss Niederweiden und „Sisis Sohn Rudolf“ im Schloss Hof zu sehen. Mittlerweile sind auch der Barockgarten und der Gutshof mit Wasser- und Abenteuerspielplatz sowie Streichelzoo für Erkundungen offen. Der Veranstaltungsbereich kann derzeit aufgrund der Richtlinien der Regierung noch nicht in den Regelbetrieb übergehen, ermöglicht aber bereits Begehungen für kommende Events.

Auf große Busgruppen muss verzichtet werden

„Eine große Eröffnung wird es heuer nicht geben“, sagt Peter Fritz, Geschäftsführer des MAMUZ mit seinen vier Museen MAMUZ Mistelbach und Schloss Asparn, nitsch museum und Museumsdorf Niedersulz: „Wir werden am 1. Juni einfach aufsperren und damit gelten auch unsere Sonderausstellungen als eröffnet.“

Was ist in den MAMUZ-Museen zu sehen? In Mistelbach gibt es die große Maya-Ausstellung über das präkolumbianische mittelamerikanische Volk, in Asparn öffnet die Ausstellung „Achtung Baustelle – Bauen und wohnen im Mittelalter“. Im nitsch museum ist ab 1. Juli die neue Jahresausstellung „Hermann Nitsch - Neue Werke“ zu sehen. Große Busgruppen wird es in nächster Zeit keine geben.

Im Museumsdorf Niedersulz (Bezirk Gänserndorf) kümmert man sich bereits um die Sommerbepflanzung. „Die Gärten werden sich bis zur Eröffnung in voller Pracht präsentieren“, verspricht Fritz. Bei 22 Hektar Ausstellungsfläche ist auch das Abstandhalten kein Problem. „Es wird Maskenpflicht in den Gebäuden geben, die Sanitärbereiche werden regelmäßig desinfiziert“, so Fritz.

Im Eingangsbereich finden sich die mittlerweile schon bekannten Plexiglasscheiben zum Schutz der Mitarbeiter. Das Gasthaus wird ebenfalls geöffnet sein, Tische weiter auseinander zu stellen ist am Dorfplatz ebenfalls gut möglich.

Das Urgeschichte-Museum in Stillfried (Bezirk Gänserndorf) öffnet am 16. Mai wieder seine Pforten für Besucher. Im seit dem Vorjahr barrierefreien Museum werden die archäologischen Funde auf knapp 500 Quadratmetern ausgestellt und laden zu einer Zeitreise durch die Jahrtausende ein.

Im Langenzersdorfer Museum (Bezirk Korneuburg) startet der Kulturbetrieb wieder am 4. Juli. Für Herbst sind die ersten Veranstaltungen geplant. „Da erst durch eine Verordnung festgelegt wird, welche Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden müssen, kann ich nicht garantieren, dass diese auch durchgeführt werden können“, ist Museumsleiter Gregor-Anatol Bockstefl vorsichtig.

Andere Einrichtung warten mit konkreten Eröffnungsterminen noch ab. „Wir richten uns nach den Bundesmuseen, wie die sich entscheiden“, erklärt Leiter Alexander Gröschl vom Pulkautaler Weinmuseum in Untermarkersdorf (Bezirk Hollabrunn).

Gröschl hat auch schon Pläne für konkrete Maßnahmen: „Ich kann mir durchaus Führungen mit Maske und einer beschränkten Personenanzahl vorstellen.“ Das alljährliche Museumsfest am 5. September soll nach Möglichkeit stattfinden.

Buch-Projekt muss verschoben werden

Mangels anderer Quellen greifen auch Ernst Bezemek vom Stadtmuseum Hollabrunn und das Museum Steinzeitkeller in Platt, das von Renate Huber betreut wird, auf die medial verfügbaren Informationen zurück. Welche Spuren die Krise in der Museumslandschaft hinterlassen wird, bleibt abzuwarten.

Huber ist sich sicher, dass das Steinzeitmuseum die Krise überstehen wird: „Die Gemeinde ist der Betreiber und wir sind ehrenamtliche Mitarbeiter.“ Auch Ernst Bezemek bestätigt: „Die geringeren Einnahmen gehen nicht an die Substanz.“ Allerdings müssen projektierte Vorhaben, zum Beispiel ein Buch, das in Zusammenarbeit mit der Universität im tschechischen Olomouc entstehen soll, verschoben werden.