Unfassbar: Nun lockt Fassbinderei. Eine Fassbinderei hat noch gefehlt im Museumsdorf. Jetzt ist so eine Werkstätte im Wultendorfer Hof zu besichtigen.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 20. Juli 2020 (15:58)

850 Exponate aus vier ehemaligen Fassbindereien veranschaulichen den Produktionsablauf. Mit Stefan Wiesinger aus Spannberg stand ein noch aktiver Fassbinder für die Fragen der Gäste zur Verfügung.

Veronika Plöckinger-Walenta vom Museumsdorf kam mit ihrer Studienkollegin Elisabeth Schenk, der Tochter von Fassbinder Franz Kellner aus Niederabsdorf, ins Gespräch. Die Idee der Einrichtung einer Fassbinderei war geboren. Die Familien von Leopold Nomjesky auf Hautzendorf, Josef Liener aus Drasenhofen und Karl Kienmayer aus Mannersdorf an der March konnten für das Projekt ebenfalls gewonnen werden. Jahre wissenschaftlicher Kleinarbeit waren nötig, bis die Werkstatt nun für die Besucher geöffnet werden konnte.

Fässer wurden in einem Weinviertler Dorf immer gebraucht. Vor Kunststoff- und Edelstahltanks lagerte Wein in Eichenfässern. So ein Fass übernahm allerdings noch viel mehr Aufgaben. Schnaps oder auch Essig bewahrte man darin auf. Jauchefässer waren ebenfalls gebräuchlich. Ähnliche Werkstücke dienten als Schöpfgeräte, verschiedene Arten von Bottichen wurden bei der Weinproduktion benötigt. Mit der „Butt’n“ trugen Männer die geernteten Trauben im Weingarten zusammen.

Edith Mauritsch

Die Herstellung oblag dem Fassbinder, der damit eine wichtige Funktion in einem Weinviertler Dorf innehatte. Der Handwerker schlug das Holz in den umliegenden Wäldern selbst und lagerte es jahrelang – kunstvoll aufgeschichtet. Jede einzelne Daube stammte aus Handfertigung, wurde mit den verschiedenen Werkzeugen in Form gebracht. Spektakulär ist der wichtigste Arbeitsgang – das Ausfeuern.

Die entstehende Wärme ist nötig, um die Dauben in Form zu bringen. Die Enkelin von Leopold Nomjesky erinnert sich: „Der Opa hatte einen ganz speziellen Rhythmus beim Klopfen, wenn er die Fassreifen aufgezogen hat.“

VP-Landtagsabgeordneter René Lobner nahm die offizielle Eröffnung vor. Mit dabei waren natürlich auch die VP-Bürgermeisterin von Sulz, Angela Baumgartner, sowie Herbert Nowohradsky und Gerhard Schütt vom Freundesverein des Museumsdorfes.