Corona spielt im Bezirk Gänserndorf die erste Geige. Seit einem Jahr keine Auftritte wegen Corona. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Elisabeth Hess. Erstellt am 14. April 2021 (04:00)

Seit über einem Jahr steht auch der Musikschulunterricht Kopf. Schön langsam sinkt die Motivation fürs Musizieren. Bei den derzeitigen Bestimmungen gibt die Pandemie zusammen mit dem Musikschulmanagement den Ton an.

Jeder Lockdown bedeutet auch für die Musikschulen Distance Learning. Nach über einem Jahr Coronavirus werde der Musikunterricht über den Bildschirm schön langsam öde, so der allgemeine Tenor der Musikschuldirektoren. „Es ist eine große Herausforderung, Schüler, Eltern und Lehrer motiviert zu halten“, berichtet die Leiterin der Musikschule Zistersdorf, Gabriele Sailer. Dem kann Peter Platt, Leiter des Musikschulverbands Gänserndorfs, zustimmen. Im Online-Unterricht könne auf wichtige Faktoren wie Tonqualität, Tonbildung, Haltung und Atmung nicht angemessen eingegangen werden. Wenn zudem die Internetverbindung stocke, sei auch die Musik zeitverzögert zu hören – nichts für feinfühlige musikalische Ohren also.

Gestrichen sind ebenfalls Klassenabende: Zarte Streicherklänge, luftige Flötenmusik und prägnante Tastentöne klingen bei Online-Auftritten rauschend und blechern. Vorübergehend wird das Beste daraus gemacht: „Schöner ist es schon, wenn man Live-Auftritte spielt“, meint der Gänserndorfer Musikschuldirektor, „zurzeit gibt es nur Online-Klassenabende oder selbst aufgenommene Videos.“

Miteinander Kammermusik zu spielen erweist sich auch nicht als Corona-freundlich. Wenn kein Lockdown ist, ist deshalb nur Einzelunterricht erlaubt. „Das Ensemblespielen, fehlt sehr“, konstatiert Sailer, „Blasinstrumente dürfen aufgrund der Aerosole nicht miteinander gespielt werden.“ Das führt dazu, dass die Bläserklasse, die eine Kooperation mit der Volksschule Zistersdorf eingegangen ist, nicht stattfindet.

Schwierig gestalte sich auch die musikalische Früherziehung, wo im letzten Kindergartenjahr musikalische Grundkenntnisse vermittelt werden. Hier kam die Stadtgemeinde Zistersdorf der Musikschule einen Schritt entgegen, indem sie den Betrag für die musikalische Früherziehung für zwei Monate aussetzte.

Alles eine Kakofonie? Nein! Im Online-Musizieren hätten die Schüler auch neue Kompetenzen erworben, bemerkt Sailer: „Viele hören sich jetzt genauer zu, können besser Noten lesen und arbeiten eigenständiger.“

Ist bei der sinkenden Motivation auch die Schülerzahl im Sinkflug? Da man sich sowieso während des Schuljahrs nicht abmelden kann, könne man das laut Platt noch nicht sagen. „Erst im Mai, Juni kommen dann Anmeldung für das nächste Schuljahr“, ergänzt er.

Nach dem Lockdown sind keine separaten Corona-Tests für die Musikschule notwendig, da die Kinder schon im Schulunterricht getestet wurden. Und wenn die Corona-Pandemie nicht mehr die erste Geige spielt, wird auch die Stimmung wieder steigen. Helena Vomlelova ist Klavierlehrerin in Gänserndorf und Traiskirchen. Insgesamt unterrichtet sie 49 Schüler, vier davon kämen mit dem Online-Unterricht nicht zurecht. „Im Großen und Ganzen funktioniert es aber ganz gut“, meint sie.

Wissen, was geht

und was nicht

Zwei Wochen im Distance Learning seien machbar, wenn es aber zum Dauerzustand wird, sei dies für sie eine Katastrophe. Nach den Lockdowns weiß die Lehrerin mittlerweile, welche Methoden gut funktionieren und welche weniger gut umsetzbar sind. Zum Beispiel: Über das Smartphone oder Tablet kann sie das Bild umdrehen. So kann sie ihre Hand während des Klavierspielens zeigen. Bei den kleinen Schülern sei aber das Beisein der Eltern notwendig.

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