Andreas Keller: Spuren des „Erdölbooms“. VP-Ortschef Andreas Keller berichtet von Gebäuden, die um 1950 errichtet wurden und saniert werden müssten, sowie dem Mangel an Bauplätzen.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 04. Oktober 2018 (04:04)
Gemeinde
VP-Bügermeister Andreas Keller erklärt: „In Neusiedl fehlen die Bauplätze, einige Grundeigentümer verkaufen aber zum Glück.“

680 Haushalte befinden sich in der Gemeinde, eine Mittelschule, eine Volksschule, vier Ärzte, ein Freibad und der erste Zayataler Musikverein. Die Gemeinde hat einiges zu bieten – für VP-Bürgermeister Andreas Keller, der auch Ehren-Oberbrandinspektor und Schulwart ist, bedeutet das aber auch viel Arbeit. Um 1950, zur Zeit des „Erdölbooms“, zählte Neusiedl nämlich über 2.300 Einwohner. Heute sind es knapp 1.250 und Bauprojekte der Erdölzeit müssen jetzt erhalten werden.

So zum Beispiel der Festsaal, der einst die Kantine von SMV und ÖMV war. Er wird noch immer für Veranstaltungen genutzt, müsste aber generalsaniert werden. Eine erste Kostenschätzung: „Mit ein bis zwei Millionen Euro ist zu rechnen“, so Keller im NÖN-Gespräch. Sanierungen würden sich oft als schwieriger erweisen als Neubauten.

„Mit ein bis zwei Millionen Euro ist allein für die Festsaal-Sanierung zu rechnen.“ Andreas Keller, VP-Bürgermeister 

Diese Erfahrung machte Keller schon beim Feuerwehrhaus im alten Hallenbad: 14.600 freiwillige Arbeitsstunden leisteten die Freiwilligen. Dabei handelt es sich aber nicht um das einzig finanziell aufwendige Projekt in der Gemeinde. „Derzeit wird gemeinsam mit der Straßenmeisterei Zistersdorf das letzte Teilstück der Ortsdurchfahrt saniert“, erzählt Keller. Die Kosten dafür belaufen sich auf über 250.000 Euro.

Der Ortschef freut sich, wenn bei diesen Projekten Bürger und Gemeinde gemeinsam etwas erschaffen. Die Gehsteige werden zum Beispiel in ehrenamtlicher Arbeit gepflastert.

Neben den Ausgaben ist natürlich auch ein Blick auf die Einnahmen und Arbeitsplätze wichtig. Hier ist das Industriegebiet hervorzuheben. Keller erklärt: „Die Bürogebäude sind alle belegt, aber es sind noch 5.000 Quadratmeter für Betriebe offen.“

Sein Vorgänger Josef Schweinberger gründete die Neusiedl Verwaltungs GmbH, um Arbeitsplätze zu schaffen. Das sei notwendig, denn aus einst 500 Arbeitsplätzen seien jetzt 70 geworden. Derzeit freut sich Keller natürlich, dass die Gespräche mit dem Adeg-Betreiber erfolgreich waren.

Ein Problem in der Gemeinde führt der Ortschef auch an: „Wir haben keine Bauplätze.“ Zwar komme man diesbezüglich langsam etwas in die Gänge, da einige Grundeigentümer „zum Glück“, so Keller, dazu bereit sind, Bauplätze für den Wohnungsbau zu verkaufen. Wohneinheiten sind aber alle voll, derzeit befinden sich noch zwölf weitere im Bau (die NÖN berichtete).