Neusiedler (18) von Amokschützen angeschossen. Massaker geplant: 18-jähriger Grundwehrdiener wollte sich an seiner ehemaligen Schule rächen und plante „etwas Großes“. Opfer liegt im Spital.

Von Nina Wieneritsch. Erstellt am 11. Mai 2018 (14:41)
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Schusswechsel Mistelbach
Michael Pfabigan

Im dunklen Trenchcoat sowie mit einer frei erhältlichen Baikal-Flinte, die er im Bezirk Gänserndorf gekauft hatte und die auf ihn registriert war, plante Mario S., ein 18-jähriger Grundwehrdiener aus dem Bezirk Mistelbach, „etwas Großes“. Er wollte sich an seiner ehemaligen Schule rächen – mit einem Amoklauf nach amerikanischem Vorbild. Die genauen Motive sind derzeit aber noch Gegenstand der Ermittlungen.

Am Mittwoch gegen 13.45 Uhr ging er deshalb vor dem Mistelbacher Schulzentrum auf einen 19-jährigen Neusiedler zu und gab laut Polizei „ohne Vorwarnung“ einen Schuss ab. Danach flüchtete er und ließ die Schrotflinte sowie Teile seiner Bekleidung in der Nähe des Tatortes zurück. Die Waffe wurde von der Polizei sichergestellt. „Nach dem bisherigen Erhebungsstand hat die Waffe nach der ersten Schussabgabe versagt, sodass der Beschuldigte die Waffe und eine Tasche, in der er die Munition mitgeführt hat, weggeworfen hat und geflüchtet ist“, so Friedrich Köhl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg.

Mehrmals von Schrotkugeln getroffen

Das 19-jährige Opfer, das sich gerade auf dem Weg zum Bus befunden hatte, wurde mehrmals von Schrotkugeln getroffen, auch im Gesicht, konnte aber von der Polizei befragt werden. Es habe „keine gravierenden Verletzungen“ erlitten, teilte die Exekutive mit, und erholt sich derzeit im Spital.

„Ich kenne ihn, weil ich ihn im vergangenen Jahr nach der Musterung gemeinsam mit gleichaltrigen Jugendlichen am Gemeindeamt empfangen habe“, so Neusiedls VP-Bürgermeister Andreas Keller. Der 19-Jährige habe in der Gemeinde die Hauptschule besucht, sein Vater war lange Zeit als Arzt in der Gemeinde tätig.

Gaspistole bei Hausdurchsuchung gefunden

Der 18-jährige Schütze wurde nach einer Fahndung noch am Mittwochabend festgenommen – er stellte sich gegen 20.45 Uhr bei einer Polizei-Inspektion in Wien-Floridsdorf. Jetzt wird wegen versuchten Mords ermittelt, der Täter wurde in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert. Bei einer Hausdurchsuchung wurde eine Gaspistole gefunden. Durchleuchtet werden sollen zudem Telefon- und Internetdaten des 18-Jährigen. Auf Facebook-Bildern posierte dieser in Bundesheer-Uniform und mit einer Waffe. „Die Auswertung von Beweismitteln ist noch nicht abgeschlossen“, heißt es seitens der Exekutive. Heute, Freitag, soll die Untersuchungshaft beantragt werden.

„Ob noch weiterreichende Tathandlungen geplant waren und auch die Hintergründe der Tat sind Gegenstand weiterer Ermittlungen. Derzeit bestehen keine Hinweise auf weitere Mittäter“, teilte die Landespolizeidirektion NÖ in einer Aussendung mit. Ein rassistischer bzw. extremistischer Hintergrund könne nach derzeitigem Ermittlungsstand ausgeschlossen werden.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand kannten sich der Schütze und das Opfer nicht. „Ich war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort“, so der 19-Jährige gegenüber dem Kurier.