Strom-Überschuss wird gut verteilt. Das Umspannwerk in Neusiedl wird ein wichtiger Knotenpunkt der Weinviertelleitung.

Von Sandra Frank. Erstellt am 17. Mai 2021 (04:23)
Auf der APG-Baustelle mit Blick auf das Umspannwerk der EVN (v.l.): Stefan Zach, Christoph Schuh, Günter Etz und Andreas Pischel. Im Sommer 2022 soll dieser wichtige Knotenpunkt der Weinviertelleitung fertig sein.
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Eines der 92 Umspannwerke des Landes entsteht gerade in Neusiedl. Dieses wird gemeinsam von APG und Netz NÖ errichtet. „Die APG baut die Autobahn. Wir bauen die Gemeinde- und Landstraßen, die Forst- und Güterwege“, veranschaulicht EVN-Sprecher Stefan Zach, wie die Zusammenarbeit der beiden Energie-Unternehmen an diesem Standort funktionieren wird. „Damit leisten wir unseren Beitrag für den niederösterreichischen Energieplan“, bestätigt Günter Etz, Projektleiter von Netz NÖ.

Bereits jetzt erzeugen die Windradstandorte im Weinviertel und im Brucker Becken ein Vierfaches jener Leistungen an Wind, die die Kunden verbrauchen können. In Zahlen bedeutet das: Derzeit werden 1.200 Megawatt Strom erzeugt, es werden im Weinviertel aber nur rund 80 Megawatt im Sommer, bis zu 250 im Winter verbraucht. Bis 2030 soll drei Mal so viel Wind- und zehn Mal so viel Sonnenergie in die Netze fließen.

„Der Strom geht dann dorthin, wo weniger Windräder stehen, zum Beispiel in die Wiener Innenstadt.“ Stefan Zach, EVN-Unternehmenssprecher

Um diesen Überschuss gut in Österreich zu verteilen, braucht es Umspannwerke wie jenes in Neusiedl. „Der Strom geht dann dorthin, wo weniger Windräder stehen, zum Beispiel in die Wiener Innenstadt“, scherzt Zach. Der Knoten in Neusiedl ist ein überragender Knoten der Weinviertelleitung, die unter dem Slogan „Energiewende braucht die Weinviertelleitung“ errichtet wird.

Die Energiewende kann man übrigens hautnah erleben, wenn man dieser Tage nach Neusiedl fährt. Dort gibt es nämlich eine Umleitung. Fährt man diese entlang, sieht man, wie Strommasten abgebaut werden. Die alten machen Platz für neue. So geschah es auch mit dem Kraftwerk, das früher in Neusiedl stand. „Es ist ein historischer Ort“, sagt Zach. Hier wurde in den 1940er-Jahren nämlich das erste Gaskraftwerk des Landes gebaut, es war eines der modernsten in ganz Europa. Dieses musste gesprengt werden, um Platz für das neue Kraftwerk zu machen.

Im Sommer 2019 fand der Spatenstich für die Weinviertelleitung, im Herbst folgte jener für das neue Umspannwerk. Im Sommer 2022 sollen die Bauarbeiten fertiggestellt sein, sagt APG-Projektleiter Andreas Pischel beim Rundgang auf der Baustelle.

Mit einigen Pressevertretern besichtigten APG- und Netz-NÖ-Projektleiter die Baustelle in Neusiedl. Eines der sogenannten Energieportale ist im Hintergrund zu sehen.
Sandra Frank, Sandra Frank

Die alten Leitungen sind nach 70 Jahren wirtschaftlich am Ende und werden deswegen erneuert, um als guter Knotenpunkt mit der EVN (Netz NÖ) zu fungieren und um die Windkraft ins Netz zu integrieren. „Die Frequenzsteuerung ist unsere Aufgabe“, klärt APG-Sprecher Christoph Schuh auf. An beiden Baustellen – dem Leitungsteil und dem Umspannwerk – wird derzeit die Technik installiert. Danach kann die Bestandsleitung demontiert werden.

„Bisher wurden 202 Mastfundamente betoniert und 150 Masten gesetzt“, führt der Projektleiter aus. So wurden auch 7.600 Tonnen Stahl verbaut. „Das entspricht jener Menge, die im Eiffelturm verbaut ist“, weiß Pischel. 8.000 Tonnen Beton wurden bereits verbraucht. Das ist zwei Mal so viel wie beim Donauturm. Und der Aushub? Das sind etwa 84.000 Kubikmeter auf einem 30.000 Quadratmeter großen Areal. „Das entspricht etwa vier Fußballfeldern“, veranschaulicht Pischel. Bei diesen Dimensionen wird klar, warum die Weinviertelleitung von Schuh als „Booster für unsere Wirtschaft“ bezeichnet wird. Auf den Baustellen kommen viele regionale Firmen zum Zug. Das Umspannwerk in der Kraftwerkstraße wird übrigens erhöht errichtet und ist auf ein 100-jährliches Hochwasserereignis ausgelegt.

Auf der Baustelle sind bereits Portale und Lagerhallen zu sehen. Was allerdings noch fehlt, ist eine E-Tankstelle für die Fahrzeuge. „Wir nehmen die Energiewende sehr ernst“, erzählt Pischel, dass der Fuhrpark bereits auf Elektro-Fahrzeuge umgestellt werde.