Fertinger-Insolvenz: Arbeiter können aufatmen. 170 Jobs, 25 davon in Neusiedl, waren in Gefahr. Vorerst soll es aber keine Kündigungen geben.

Von Nina Wieneritsch und Michael Pfabigan. Erstellt am 20. Mai 2019 (21:02)
Fertinger
Die Rupert Fertinger GmbH hat Standorte in Wolkersdorf und Neusiedl sowie in Polen. Sie ist unter anderem auf technische Komponenten für das Temperatur-Management in Fahrzeugen spezialisiert.

Vergangenen Mittwoch kam die Schock-Nachricht: Die Rupert Fertinger GmbH, die auch einen Sitz in Neusiedl hat, ist insolvent. Die Jobs von rund 170 Mitarbeitern – davon etwa 50 Angestellte und 120 Arbeiter – waren in Gefahr.

Am Donnerstag kam dann die Entwarnung: Zumindest keine Arbeitsplätze seien in Gefahr – laut Sanierungsplan sollen alle Mitarbeiter der Firma – sowohl in der Zentrale in Wolkersdorf (Bezirk Mistelbach) als auch die rund 25 am Standort Neusiedl – bleiben dürfen.

Was ist passiert? Die Firma hat auch einen Standort in Polen. Dessen Inbetriebnahme habe sich schwierig gestaltet, denn der Break-Even-Point (jener Punkt, an dem der Standort rentabel ist) sei verspätet erreicht worden, heißt es seitens des Kreditschutzverbands (KSV). Daraufhin waren zwar umfangreiche Reorganisations-Maßnahmen eingeleitet und ein positives Betriebsergebnis im ersten Quartal 2019 erzielt worden. Diese Bemühungen waren aber erneut mit hohen finanziellen Aufwendungen verbunden.

Schulden belaufen sich auf rund 21 Mio. Euro

Die Passiva belaufen sich auf knapp 21 Mio. Euro. Betroffen sind laut KSV 260 Gläubiger. „Unser Ziel ist jetzt, das Unternehmen durch das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung zu entschulden und weiterzuführen“, sagt Geschäftsführer Gerhard Lampesberger.

Auch vom Land NÖ soll es Unterstützung geben: „Fertinger und den Mitarbeitern wurde Unterstützung in dieser ernsten Lage zugesagt“, sagt WKNÖ-Vizepräsident Kurt Hackl.

Die NÖN berichtete bereits 2016 über die Fertinger GmbH: Damals standen Überlegungen im Raum, dass der Neusiedler Standort geschlossen und die Produktion nach Wolkersdorf verlegt wird, wie Eigentümer Veit Schmid-Schmidsfelden gegenüber der NÖN bekannt gab.

Eine Entwicklung, die der Beschäftigung in der ohnehin von Stellenarmut geprägten Region nicht förderlich gewesen wäre. Die Schließung des Werks des Skibindungs-Produzenten Tyrolia 2005 (100 Arbeitsplätze gingen verloren) und das Aus der Zistersdorfer Firma Dürr 2016 (86 Mitarbeiter waren betroffen) sitzen noch in den Knochen.