Leben ist (k)ein Ponyhof: Künstlerin Olchowa half. Unternehmen in Niederabsdorf befindet sich wegen Lockdowns in finanziellen Nöten, Künstlerin Olchowa nahm sich ein Herz und half. Die Lage bleibt aber weiterhin angespannt.

Von Vera Coursolle. Erstellt am 14. Februar 2021 (04:22)
Karin Lock, Lilia Olchowa und Tanja Bernreiter-Hofer (v.l.) mit den Kids Sophia und Julian sowie einem Pony.
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Die Pandemie macht den Menschen das Leben schwer. Die Gedanken drehen sich meistens um Gesundheitspersonal, Handelsangestellte und die Exekutive. Wer aber denkt an Betriebe wie einen Reiterhof, dessen Schwierigkeiten, sich über Wasser zu halten bzw. daran, wie Tiere darunter leiden, da ihnen die Kinder und der Alltag fehlen?

In erster Linie wohl nur diejenigen, die unmittelbar betroffen sind. Dazu gehört Karin Lock, die Betreiberin des Ponyhofs im Schloss Niederabsdorf. Lilia Olchowa, Künstlerin aus Drösing, bekam Wind von den Schwierigkeiten des Unternehmens und entschloss sich kurzerhand, eines ihrer Bilder zu spenden und um Spenden aufzurufen. Kaum war das Bild auf Facebook zu sehen, meldete sich Tanja Bernreiter-Hofer, vielen bekannt als „Seifensiederin des Marchfeldes“, und erwarb das Werk um 300 Euro.

Lilia Olchowa überreichte es ihr am Samstag direkt am Reiterhof: „Gewerbetreibende müssen einander unterstützen“ so die kunstaffine Unternehmerin Bernreiter-Hofer von „BeeQueen“. Die 300 Euro gingen direkt an die Pferdehofbesitzerin.

Der Betrieb geht weiter, die Tiere müssen gefüttert und gepflegt werden, die Beschäftigten sind unverzichtbar. Ferienwochen und Reitstunden finden hingegen nicht statt, das Reiterstüberl mit Bewirtung bleibt leer. Nun nahmen einige auch noch ihre eingestellten Pferde vom Hof, sie konnten sich deren Erhalt einfach nicht mehr leisten.

Finanzielle Hilfe mit Ablaufdatum

Unterstützung gab es im ersten Lockdown keine, im zweiten konnte man immerhin 80 % Umsatzersatz geltend machen, im Dezember gab es dann 50 % vom Vorjahresumsatz. Zuletzt folgten noch 1.000 Euro – damit ist Schluss, es gibt keine finanziellen Hilfen mehr. Alle 14 Tage muss aber Heu für mehr als 2.000 Euro gekauft werden.

Wenn die Kinder dann endlich wieder kommen dürfen, dauert es eine gewisse Zeit, bis neue Einnahmen generiert werden, da viele Kids noch über ein Restguthaben verfügen. Durch die vorübergehend angeordnete Schließung des Reitbetriebs konnte man die Stunden nicht abhalten, auch die Ferienwochen werden nachgeholt. Es gibt bereits Wartelisten für Reitfreudige.

Karin Lock lockt außerhalb des Lockdowns mit ihrem Reiterhof jede Menge Kinder an.
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Der Reiterhof blickt auf eine mittlerweile lange Geschichte zurück: Mit 23 kaufte die ehemalige Krankenschwester 1993 das Gebäude, das sich im Besitz der Liechtensteins befand. Mit einem Pferd fing alles an, man erkannte die Nachfrage, vergrößerte, baute eine Reithalle, schaffte Unterkünfte für Ferienreitwochen, eröffnete ein Reiterstüberl. Mittlerweile gibt es 40 eigene Tiere (ein Araber, Vater von 3 bis 6 Fohlen pro Jahr, ansonsten Mischpferde) und 40 eingestellte Pferde. Lock absolvierte Trainerausbildungen und erhielt das goldene Ehrenabzeichen für Verdienste um Kinder- und Jugendarbeit.

Um Lehrlinge zum Pferdewirtschaftsfacharbeiter ausbilden zu können und um ihr Reiterstüberl zu betreiben, durchlief sie zahlreiche Ausbildungen. Am Hof werden außerdem eine Pädagogin sowie zwei Stallburschen und ein Stallmädchen beschäftigt.

Eine Sache stößt bei Lock auf Unverständnis: Wenn eine Person auf 20 Quadratmetern einkaufen gehen darf, wieso kann dann nicht in einer Halle, die 2.000 Quadratmeter groß ist, der Reitbetrieb weiterhin stattfinden?