Letzter Kampf um Wählerstimmen in Gänserndorf. Gänserndorfer Spitzenkandidaten für die Gemeinderatswahl stellten sich im Kulturhaus den Fragen der Bürger.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 22. Januar 2020 (04:15)
Thomas Schindler (l.) und Manuel Mattes (r.) von der NÖN moderierten die Podiumsdiskussion mit den Spitzenkandidaten Joseph Lentner, René Lobner, Ulrike Cap, Günter Schweitzer und Peter Vlasak (v.l.).
Frank

Der Gemeinderatswahlkampf in der Bezirkshauptstadt gipfelte am Freitagabend in einer von der NÖN veranstalteten Podiumsdiskussion der Spitzenkandidaten. Zahlreiche Bürger nutzten die Möglichkeit, die Politiker mit ihren Fragen zu konfrontieren.

Statt sechs waren am Podium nur fünf Plätze besetzt, weil Bürgerlisten-Gemeinderat Walter Krichbaumer kurzfristig erkrankt war. VP-Bürgermeister René Lobner, SP-Stadträtin Ulrike Cap, Grünen-Spitzenkandidat Günter Schweitzer, FP-Stadtrat Peter Vlasak und NEOS-Spitzenkandidat Joseph Lentner standen Rede und Antwort.

"Cap kämpft für ein lebenswertes Gänserndorf"

Die wichtigsten Anliegen der Kandidaten? Lobner gedenkt, den „erfolgreichen Weg fortzusetzen“ und baut dabei auf gute Kontakte zum Land. Er will Bürgerbeteiligung hochhalten und Gemeinsames vor Trennendes stellen. Cap kämpft für ein lebenswertes Gänserndorf für alle Generationen und wünscht sich einen Ausbau der medizinischen Versorgung. Schweitzer will die Verkehrssicherheit heben, mehr Umweltschutz, Rad- und Fußwege. Auch Vlasak ist die medizinische Versorgung ein großes Anliegen – so wie Infrastruktur und Sicherheit. Und Lentner fordert Fachpersonen für die Gesundheit, eine Aufwertung von Gänserndorf-Süd sowie einen Plan für ein „Lebenswertes Gänserndorf 2030“.

Das erste Thema, das dem Publikum unter den Nägeln brannte, war der Ausbau des Medizinischen Zentrums: Vlasak fordert eine Personalaufstockung, denn „die Ausrüstung ist gut“. Für die FP brauche Gänserndorf wie jede Bezirkshauptstadt ein Spital. Lobner konterte: „Der Einzugsbereich wäre zu klein, die Spitäler Mistelbach und Hainburg sind in manchen Gegenden des Bezirks näher.“ Auch Cap ist für einen Ausbau des Zentrums, nicht aber für ein Spital. Lentner hält ein Spital für „nicht wirtschaftlich“, er will lieber Fachärzte holen. Auch Schweitzers Forderung nach einer Dialysestation hält er wie Lobner für unrealistisch.

Natürlich wurde auch über die ehemalige Synagoge diskutiert: „Es wird nichts getan, um die Substanz dieses historischen Gebäudes zu schützen. Dort, wo es schimmelt, sind die Fenster geschlossen, anderswo geöffnet, um den Verfall zu beschleunigen“, prangerte Schweitzer an. Das stritt Lobner ab. „Dieses Thema sollte auch nicht so kurz vor der Wahl politisch missbraucht werden, sondern in ruhigen Gesprächen eine vernünftige Lösung gefunden werden.“

Aufhorchen ließ dann der Grüne Schweitzer, dessen Ziel es ist, auf allen nicht Landes- und Bundesstraßen ein 30-km/h-Tempolimit durchzusetzen: „Das würde das Tötungsrisiko bei Unfällen enorm senken.“

Und natürlich war auch die „unendliche Geschichte“ der Marchfeld-Schnellstraße S8 Thema der Diskussion: Lobner, ein großer Verfechter des Vorhabens, hofft auf eine schnelle Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts: „Auch im Regierungsprogramm steht, dass Projekte, die wie diese ,Lebensader der Region’ schon in der Pipeline sind, nicht gestoppt werden.“ Auf Schweitzers Einwurf, dass die S8, wenn sie bei Gänserndorf endet, nur mehr Verkehrsbelastung bringe, konterte Lobner: „Die Umfahrungen der Orte werden zeitgleich mit der S8 fertiggestellt.“

Nach der letzten Wahl erhielten ÖVP und SPÖ je 14 Mandate, die Grünen und FPÖ je vier und die Bürgerliste ein Mandat.