So süß kann der Lockdown sein. Bezirk Gänserndorf: Geschäftsführer von Nahrungsmittel-Produzenten berichtet, wie Corona den Alltag im Betrieb beeinflusst.

Von Vera Coursolle. Erstellt am 29. November 2020 (04:23)
Josef Manner (vorne, 4.v.l.) mit seinen Mitarbeitern. Die Corona-Krise meistert der Produktionsbetrieb gut.
Instantina

Wie meistern die Produktionsbetriebe im Bezirk Gänserndorf eigentlich die Corona-Pandemie? Die NÖN fragte den Geschäftsführer der Firma Instantina in Dürnkrut, Josef Manner, wie es dem Produktionsbetrieb und seinen 115 Mitarbeitern in Zeiten des Lockdowns ergeht.

Zur Produktpalette des Unternehmens zählen unter anderem Spezialzucker, Süßstoffe, Dextroseprodukte, Instantprodukte, Flüssigprodukte, Backhilfs- und Triebmittel sowie Röstprodukte. Im Interview gibt Manner bereitwillig Auskunft zu den Herausforderungen und Maßnahmen in Zeiten der Pandemie. Der Betrieb musste nie eingestellt werden und lief unter getroffenen Sicherheitsmaßnahmen ohne Unterbrechung weiter.

Allerdings musste man – als die Grenzen während des ersten Lockdowns im Frühjahr dicht waren – eine schnelle Lösung für die Arbeiter aus Tschechien finden. Es wurden Ausweichquartiere bereitgestellt, sodass die betroffenen Personen weiter ihrer Arbeit nachgehen konnten.

Flexible Arbeitszeiten für berufstätige Eltern

Einige Mitarbeiter wechselten auch ins Home-Office. Manche Arbeitnehmer hatten durch die Kindergarten- und Schulschließungen große Probleme. Der Betrieb löste dies durch eine flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit. Um zu vermeiden, dass es zu einer zu großen Personenansammlung im Werk kommt, wurden die Dienstzeiten verändert.

Zwischen der ersten und zweiten Schicht wurde eine halbstündige Pause eingeführt und somit vermieden, dass die Arbeiter der jeweiligen Schicht zusammentreffen. Die Büros wurden mit Trennwänden ausgestattet und bestmöglich wurde dafür gesorgt, dass pro Büroraum nur ein Mitarbeiter anwesend ist. „Eine der wichtigsten Maßnahmen, abgesehen von den bereits allseits bekannten Vorgaben, ist der ständige Luftaustausch“, erklärt Manner.

In den Gemeinschaftsräumen wurde eine Art „Zwangsbelüftung“ eingeführt. Personen mit vielen Kontakten sowie Laborangestellte und auch jene in leitender Position werden einmal wöchentlich getestet. Zuletzt wurden 50 zusätzliche Mitarbeiter auf Wunsch auf Corona getestet.

Verwunderlich ist die Tatsache, dass sich die Personalsuche äußerst schwierig gestaltete. Während im vergangenen Jahr auf eine Ausschreibung für eine Stelle in der Verwaltung 70 bis 80 Bewerbungen eintrafen, kam nach dem Herunterfahren der Wirtschaft im Frühjahr auf drei Annoncen keine Rückmeldung.

Die Auftragslage im ersten Lockdown war ausgesprochen gut und vergleichbar mit jenen in der Vorweihnachtszeit. Vor allem nach Produkten wie Zucker, Vanillezucker und Backpulver bestand große Nachfrage. Manner: „Man konnte bei sämtlichen Produkten mit langer Haltbarkeit einen Nachfragezuwachs feststellen. Im Wesentlichen hat sich der Umsatz aber nur verschoben.“ Merkt Manner im Vergleich zum Frühjahr einen Unterschied im Verhalten der Menschen? „Ich konnte feststellen, dass die Disziplin gesunken ist und die Leute mittlerweile ermüdet sind.“