Abrechnung: Jetzt packt Mahdalicek aus. Ex-Amtsleiter wehrt sich gegen Kündigung und attackiert SP-Bürgermeister. Der nimmt Stellung.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 09. Mai 2019 (04:35)
Havranek
Geschäftsführender GO7-Gemeinderat und Ex-Amtsleiter Thomas Mahdalicek mit dem „blauen Brief“, der seine Kündigung enthielt.

Bis zu seiner Kündigung im April arbeitete Thomas Mahdalicek seit 2010 für die Gemeinde Obersiebenbrunn, anfangs als Bauhofmitarbeiter, seit 2011 als Amtsleiter.

Er erinnert sich: „Langsam sind mir da auch die Missstände in der Gemeinde aufgefallen. So hat der aktuelle SP-Bürgermeister Herbert Porsch jahrzehntelang Projekte blockiert, einfach nur, um Erfolge anderer zu verhindern.“ Porsch gewann in einer kuriosen Gemeinderatssitzung am 22. Mai 2018 nach zweimaligem Stimmengleichstand von 9:9 per Losentscheid den Bürgermeistersessel gegen VP-Kandidat Rudolf Greul.

Mahdalicek berichtet von Intrigen im Vorfeld: „Greul bekam von zwei Mandataren das Angebot, dass sie ihn zum Bürgermeister wählen, wenn er mich hinauswirft.“ Greul nahm offenbar nicht an. „Im Nachhinein frage ich mich: Hat auch Porsch das Angebot bekommen?“, überlegt Mahdalicek. Porsch verneint entschieden: „Das stimmt nicht einmal im Ansatz.“

Porsch hatte bereits als geschäftsführender Gemeinderat erfolglos beantragt, Mahdalicek, der auch geschäftsführender Gemeinderat für GO7 ist, auf seinen ursprünglichen Posten als gewöhnlichen Gemeindemitarbeiter zu versetzen. Nach seiner Wahl zum SP-Ortschef stellte Porsch einen neuen Antrag, der Mahdalicek als Verwaltungsbediensteten absetzen und dem Bürgermeister die Entscheidung über Mahdaliceks „Verwendung“ überlassen sollte.

Porschs Argument für die Absetzung des Amtsleiters sei immer fehlendes gegenseitiges Vertrauen gewesen, was Mahdalicek seinerseits aber bestreitet: Er habe von Anfang versichert, dass er für Porsch genauso arbeiten würde wie für die Bürgermeister zuvor: „Schließlich trat Porsch an mich heran und legte mir nahe, zu einer anderen Gemeinde zu wechseln – er habe mit dem dortigen Bürgermeister gesprochen, der mich nehmen würde“, so Mahdalicek.

Porsch: „Wollte gütliche Lösung ermöglichen“

Seine Antwort: „Ich will meine Leute nicht im Stich lassen, bis zur Gemeinderatswahl 2020 werden wir wohl auskommen können und je nachdem, wie diese ausgeht, kann man ja dann weitersehen.“ Porsch bestätigt das: „Ich hätte einen Job für ihn gehabt, ich wollte ihm so ermöglichen, eine gütliche Lösung zu finden.“

Nachdem der Voranschlag für 2019 erstellt worden war, wiederholte Porsch sein Angebot, Mahdalicek lehnte wieder ab und Porsch drückte ihm eine „Ermahnung“ in die Hand: „Darin waren etliche angebliche Verfehlungen meinerseits aufgelistet, die alle nicht stimmten.“ Nach Rücksprache mit dem Land NÖ verfasste Mahdalicek eine Erwiderung, in der er die Vorwürfe zu entkräften versuchte und die auch belastendes Material enthalte. „Porsch gibt vor, dass ich ihm diese nie ausgehändigt habe. Es gibt aber einen entsprechenden Eingangsstempel“, bekräftigt Mahdalicek.

Porsch bleibt dabei: „Mahdalicek hat zwar eine Erwiderung angekündigt, die wurde aber nie bei mir abgegeben. Vor Kurzem ist so ein Dokument irgendwo in den Akten aufgetaucht.“

Es kam, wie es kommen musste, Mahdalicek erhielt die Kündigung. Darin steht, dass er „trotz mehrfacher Ermahnungen nicht bereit sei, seine Aufgaben wahrzunehmen, was aus dem Bericht des Landes über die Gebarungsprüfung hervorgehe“. Mahdalicek beschreitet jetzt den Rechtsweg. „Auch wenn mich das viel Geld kosten kann – das ist es mir wert, um die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen.“

Porsch reagiert gelassen: „Im Endeffekt hat der Gemeinderat entschieden, dass Mahdaliceks Qualifikation für seine Tätigkeit nicht gegeben ist.“