Freunderlwirtschafts-Vorwürfe: Wer soll Äcker bekommen?. Obersiebenbrunns Ex-Bürgermeister Slavik wirft Ortschef Porsch vor, er vergebe Gemeindefelder an Freunde. Porsch: „Neuvergabe läuft transparent.“

Von Markus Szelnekovics. Erstellt am 11. September 2020 (06:02)
Ex-Bürgermeister Josef Slavik (links): „Bauern werden die Gemeindeäcker weggenommen.“SP-Ortschef Herbert Porsch (rechts): „90 Prozent der Landwirte begrüßen unser Vorgehen.“
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In einem Brief an die Bevölkerung lässt Ex-Bürgermeister Josef Slavik (Bürgerliste) seiner Wut über die Gemeinde, besonders aber über geschäftsführenden VP-Gemeinderat Franz Gerschlager jun., freien Lauf.

Der Vorwurf: Gerschlager jun., der auch Obmann des Umweltausschusses ist, strebe gemeinsam mit SP-Ortschef Herbert Porsch und zwei SPÖ- Gemeinderäten eine neue Verteilung der Gemeindepachtäcker an.

Ex-Bürgermeister Josef Slavik: „Bauern werden die Gemeindeäcker weggenommen.“
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Slavik unterstellt Gerschlager auch, er wisse nicht einmal, wie groß ein Hektar ist, und wo sich diese Felder in Obersiebenbrunn befinden. „Es handelt sich um Äcker im Eigentum der Marktgemeinde, die von kleinen Bauern vor 70 bis 80 Jahren gepachtet wurden und seit mehreren Generationen sorgsam und nachhaltig bewirtschaftet werden“, so Slavik.

Slavik behauptet zudem, Porsch vergebe eigenmächtig Gemeindeäcker an sein privates Umfeld. Und der Ex-Ortschef poltert weiter: „Porsch und Gerschlager jun. lassen die Landwirte, die Gemeindeäcker gepachtet haben, mitten in der Erntezeit einzeln am Gemeindeamt vorladen und befragen, ob sie existenzgefährdet sind, wenn man ihnen die Gemeindeäcker wegnimmt.“

„Ziel ist eine gerechtere Aufteilung der Äcker“

Was sagt eigentlich Porsch selbst zu den Vorwürfen des Altbürgermeisters? „Wir haben vor, die Schieflage der Verpachtung der gemeindeeigenen Äcker zu beseitigen. Wir wollen eine gerechtere Aufteilung auf alle Bauern in unserer Gemeinde, nicht nur auf einige auserwählte.“

Gerschlager jun. plane als Vorsitzender des Umweltausschusses, die Pachtäcker der Marktgemeinde gerechter zu vergeben. In seinem Ausschuss seien alle im Gemeinderat vertretenen Parteien mit zumindest einem Mitglied vertreten. In einigen Sitzungen wurden mehrere Szenarien diskutiert. Es geht dabei um die Bonität der Ackerflächen sowie die Lage der Felder.

SP-Ortschef Herbert Porsch: „90 Prozent der Landwirte begrüßen unser Vorgehen.“
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Porsch weiter: „Wir haben alle landwirtschaftlichen Betriebe darüber informiert, dass die Marktgemeinde andenkt, die Gemeindeäcker neu zu verpachten. Insgesamt haben sich rund 20 Betriebe gemeldet, die gerne Gemeindeäcker pachten möchten.“

90 Prozent der Landwirte seien mit unserer Vorgangsweise einverstanden und würden die Neuvergabe begrüßen. Wie kontert Gerschlager jun. die Attacken? „Dass Altbürgermeister Josef Slavik seit Wochen Unruhe stiftet, ist absolut unverständlich und untragbar. Es war seine Gemeindepolitik, die uns durch die dauernde Freunderlwirtschaft und intransparente Vergabe der Gemeindepachtäcker in diese Lage gebracht hat.“

Was ist eigentlich der Auslöser diesen heftigen Polit-Streits? Vor einigen Monaten hatten sich mehrere Landwirte beschwert und nachgefragt, weshalb sie denn keine Gemeindeäcker pachten können, wo doch manche Landwirte so viel Pachtfläche haben. Sie ersuchten die Marktgemeinde, sich mit der Sache zu beschäftigen, und stellten Anträge auf Gemeindepachtflächen. Mit dem Anliegen wurde der Umweltausschuss betraut.

Sobald der Aufteilungsschlüssel ausgearbeitet ist, wird er dem Gemeindevorstand vorgelegt. Dieser befindet dann, ob das Projekt auch in den Gemeinderat zur Beschlussfassung kommt. Dann wird darüber entscheiden, ob es 2021 zur Umsetzung des Vorhabens kommen wird.