Kein Ticket: Mann flog aus Zug. Ein Fahrgast wollte sich eine Karte in der Bahn kaufen und wurde von einem ÖBB-Mitarbeiter bei der Station Siebenbrunn/Leopoldsdorf hinausgeworfen, weil dieser ihm nicht glaubte.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 04. August 2021 (05:16)
Bahnhof Siebenbrunn/Leopoldsdorf
Am Bahnhof Siebenbrunn/Leopoldsdorf war für den Fahrgast Endstation: Er wurde vom Zugbegleiter aus dem Zug geworfen.
NÖN-Archiv

Ein ÖBB-Kunde (Name der Redaktion bekannt) ist mehr als sauer: Seine geplante Reise mit dem Zug nach Wien endete für ihn mit dem Rauswurf aus dem Zug und einem beschädigten Handy. Dabei ist er sich keiner Schuld bewusst und lässt kein gutes Haar an dem Zugbegleiter, der ihn des Zuges verwies. Er zeigte ihn wegen Ehrenbeleidigung, gefährlicher Drohung, Nötigung und Sachbeschädigung bei der Polizei an.

Der Mann wollte laut eigener Aussage vom Bahnhof Schönfeld/Lassee nach Wien Hauptbahnhof fahren. „Am Bahnhof Schönfeld/Lassee befindet sich kein Ticketschalter, weshalb der Ticketverkauf im Zug stattfindet“, berichtet der Mann.

Kurz vor der Station Siebenbrunn/Leopoldsdorf kam der Zugbegleiter an seinen Sitzplatz und verlangte eine Fahrkarte. „Ich erwiderte, dass ich gerne eine kaufen würde, da es in Lassee keinen Verkaufsautomaten gibt. Der Zugbegleiter behauptete, ich sei nicht in Lassee zugestiegen, sondern bereits vorher. Dies ist schlichtweg nicht wahr, wofür ich auch meine Mutter als Zeugin anführen möchte. Sie hat mich gegen 10.45 Uhr zur Schnellbahnstation Lassee/Schönfeld gebracht.“

Der Zugbegleiter forderte den Mann auf, den Zug zu verlassen und war nicht bereit, ihm zu glauben und eine Fahrkarte zu verkaufen. „Daraufhin nahm ich mein Mobiltelefon, um ein Foto von ihm zur späteren Identifikation zu machen, da ich vorhatte, mich bei seinem Arbeitgeber über sein Verhalten zu beschweren“, erzählt der Fahrgast.

Zugbegleiter soll Handy beschädigt haben

Daraufhin soll ihm der Zugbegleiter mit seiner Signalkelle das Gerät aus der Hand geschlagen haben, dieses wurde angeblich zu Boden geschleudert, sodass das Display zersprang.

„Als ich mich bei ihm beschwerte, sagte er, er würde keine ,Drogensüchtigen‘ in seinem Zug dulden, und wenn ich noch einmal versuchte, ihn zu fotografieren, würde er mich und mein Handy ,ganz kaputt machen‘. Danach stieg er in den Zug, der die Fahrt ohne mich fortsetzte“, schließt der Passagier empört.

ÖBB sieht die Sachlage anders

Die ÖBB stellen die Sache anders dar: „Unser Mitarbeiter hat bereits bei der Zugübergabe in Marchegg von slowakischen Kollegen eine Beschreibung des Reisenden erhalten sowie den Waggon, in dem er gesessen ist, und die Information, dass der Fahrgast ohne gültigem Ticket unterwegs sei.“

Weiters soll der Fahrgast durch lautes Telefonierte und Schimpfen aufgefallen sein, worüber sich eine Mutter mit zwei Kindern beschwerte. Bei der Ticketkontrolle habe sich die Information des slowakischen Kollegen bestätigt.

„Nachdem der Zugbegleiter und der Fahrgast in Obersiebenbrunn/Leopoldsdorf den Zug verlassen haben, wurde unser Kollege vom Fahrgast rassistisch beschimpft und ihm wurde vom Fahrgast mit dem Handy direkt das Gesicht gefilmt. Als unser Kollege einen schnellen Schritt zurück machte, hat der Fahrgast sein Handy fallen gelassen“, lautet die Version der ÖBB.

Schlussendlich habe der Fahrgast sehr aufgeregt und mit weiteren rassistischen Beleidigungen den Bahnsteig verlassen. Der Betroffene streitet das vehement ab: „Wie bereits erwähnt, hatte ich den Zug erst in Lassee bestiegen – und zwar um 11.06 Uhr. Auch die Behauptung, ich hätte telefoniert, ist schlicht und ergreifend frei erfunden, wie auch meine Telefondaten eindeutig beweisen.“

Und: „Über die Vorwürfe, ich sei rassistisch, kann ich ohnehin nur lachen. Jeder, der jemals mit mir zu tun gehabt hat – egal ob privat oder beruflich – wird bestätigen, dass eine solche Denkweise nicht meinem Naturell entspricht.“