Kündigung? Kuriosum um Amtsleiter. Thomas Mahdalicek weiß nicht, ob er obersten Gemeindeposten noch innehat.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 10. April 2019 (05:10)
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Thomas Mahdalicek und Herbert Porsch
Links: Ist er Amtsleiter oder nicht? Thomas Mahdalicek weiß es selbst nicht.; Rechts: SP-Bürgermeister Herbert Porsch beruft sich auf Verschwiegenheit.
NÖN

Die Politik in Obersiebenbrunn bietet so manches Kuriosum: Wenige Gemeinden wechseln so oft die Bürgermeister, der aktuelle SP-Ortschef Herbert Porsch kam gar per Losentscheid in dieses Amt – und jetzt herrscht Unklarheit, ob Amtsleiter Thomas Mahdalicek den Posten noch bekleidet oder gekündigt wurde.

Klingt kompliziert? Ist es auch, aber der Reihe nach: Am 20. April 2018 trat Bürgermeister Werner Pozarek (Liste GO7) zurück. Für seine Nachfolge kandidierten Rudolf Greul (ÖVP) und Porsch für die SPÖ. Letzterer setzte sich nach zweimaligem Stimmen-Gleichstand per Losentscheid durch und ist seitdem Bürgermeister.

Schon von Anfang an war klar, dass das Verhältnis zwischen Porsch und Amtsleiter Thomas Mahdalicek nicht das beste ist. Mahdaliceks Parteizugehörigkeit zur GO7 könnte einer der Gründe dafür sein. Porsch warf Mahdalicek auch diverse Verfehlungen vor, die dieser jedoch zurückwies. Er durfte einstweilen im Amt bleiben (die NÖN berichtete).

"2011 wurde ich vom Gemeinderat einstimmig als Amtsleiter bestellt"

Fast ein Jahr später schien es nun so weit: Die NÖN erfuhr, dass in der Gemeinderatssitzung Ende März von Porsch ein Dringlichkeitsantrag eingebracht wurde, mit dem über die Kündigung von Mahdalicek abgestimmt werden hätte sollen. Das Votum kam nicht zustande, da die GO7- und VP-Mandatare die Sitzung verließen und der Gemeinderat nicht mehr beschlussfähig war.

Vergangenen Freitag wurde die Sitzung nachgeholt, es wurde erneut über den Antrag abgestimmt, allerdings im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung, wodurch alle anwesenden Gemeinderäte zu Verschwiegenheit verpflichtet sind. Mahdalicek und sein Bruder, GO7-Obmann Michael Mahdalicek, verließen wegen Befangenheit den Saal.

Porsch verweist im NÖN-Gespräch auf den Datenschutz: „Ich habe vor der Abstimmung allen Mandataren klargemacht, dass es schwerwiegende rechtliche Konsequenzen haben kann, wenn sich jemand nicht an diese Verschwiegenheit hält.“ Seiner Meinung nach sei Mahdalicek übrigens gar nicht Amtsleiter, „weil es dafür nie einen Gemeinderatsbeschluss gab“. Mahdaliceks Antwort: „Das ist Ansichtssache. 2011 wurde ich vom Gemeinderat – auch von Porsch – einstimmig als Amtsleiter bestellt. Mir fehlte die dafür notwendige Prüfung. Sobald ich diese absolviert hatte, hätte ich offiziell gewählt werden sollen.“

Er habe auch das Gehalt eines Amtsleiters erhalten: „Als ich um eine Lohnerhöhung angesucht habe, hat Porsch mir nicht geglaubt, dass ich die Prüfung absolviert habe, obwohl ich ihm Dokumente vorlegte.“

Ob er noch im Gemeindedienst steht, weiß er nicht: „Ich werde weiter zur Arbeit gehen. Ob ich gekündigt bin, erfahre ich, wenn mich der entsprechende Brief erreicht – oder auch nicht.“