Muss Amtsleiter Sessel räumen?

Neuer SP-Bürgermeister Porsch will Mahdalicek in den Außendienst versetzen. Der wehrt sich.

Erstellt am 30. Mai 2018 | 06:00
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Herbert Porsch_Thomas Mahdalicek_Rudolf Greul
Herbert Porsch, Thomas Mahdalicek und Rudolf Greul
Foto: NÖN-Archiv

Nach der spannenden Wahl des neuen Bürgermeisters – wie die NÖN exklusiv berichtete, setzte sich Herbert Porsch (SPÖ) erst durch Losentscheid gegen Rudolf Greul (ÖVP) durch – gehen die Konflikte im Rathaus weiter. Porsch droht nun, den derzeitigen Amtsleiter Thomas Mahdalicek dessen Postens zu entheben und ihn in den Außendienst zu versetzen. Von dienstlichen Verfehlungen sei die Rede. Mahdalicek weist alle Vorwürfe entschieden zurück.

Was genau wirft der SP-Bürgermeister dem Amtsleiter vor? Porsch: „Zum Beispiel, dass er die neuen Rathaus-Mitarbeiter nicht einschult bzw. nicht fähig war, deren Gehälter zu überweisen. Er ist für diesen Job einfach nicht geeignet. Dazu kommt noch, dass er im Gemeinderat nie zum Amtsleiter bestellt wurde.“ Mahdalicek sei als Mitarbeiter im Verwaltungsdienst aufgenommen worden: „Mehr nicht.“

"Ich habe nie etwas Unrechtes getan"

Er, Porsch, könnte als Bürgermeister selbst Mahdalicek versetzen: „Das werde ich aber auf keinen Fall tun. Der Gemeinderat wird darüber abstimmen.“ Und der SP-Politiker ist überzeugt, dass sich dafür auch eine satte Mehrheit finden wird. Die Stelle des höchsten Beamten in der Marktgemeinde Obersiebenbrunn werde dann neu ausgeschrieben.

Mahdalicek selbst sieht die Lage naturgemäß anders: „Ich habe nie etwas Unrechtes getan und bin mir keiner Schuld bewusst.“ Nach dem Ausscheiden von vier Gemeindemitarbeitern sei er plötzlich allein im Rathaus gesessen: „Drei Stellen wurden später nachbesetzt – mit Personen, die noch nie im öffentlichen Dienst tätig waren. Wie hätte ich allein alle drei einschulen und dabei noch meine eigene Arbeit verrichten sollen?“

Was war mit den besagten Gehältern für die Gemeindemitarbeiter? Mahdalicek: „Die haben wir statt am 15. Mai am 16. Mai überwiesen, also einen Tag später. Und das deshalb, weil ich allein gar nicht dazu berechtigt bin.“ Dafür benötigt es zwei Überweisungskarten und zwei verschiedene Codes: „Ich habe nur eine, die zweite hat der Bürgermeister.“

Der (Werner Pozarek von der Bürgerliste GO7) war aber zurückgetreten und VP-Vizebürgermeister Greul habe sich erst eine Vollmacht holen müssen, um die Karte von Pozarek benutzen zu dürfen. Mahdalicek: „Die Kritik von Porsch läuft also ins Leere.“

"Es ist nun seine Entscheidung"

Der Amtsleiter, der selbst als geschäftsführender GO7-Gemeinderat im Ortsparlament sitzt, glaubt auch nicht, dass die Vorwürfe auf Porschs Mist gewachsen sind: „Er wird vermutlich von einem anderen Mandatar, der mir schaden will, unter Druck gesetzt. Der sagte Porsch seine Unterstützung bei der Bürgermeisterwahl zu, wenn er im Gegenzug mich degradiert.“

Denselben Deal soll dieser Mandatar auch Greul angeboten haben. Der VP-Vize soll den Kuhhandel aber abgelehnt haben. Mahdalicek abschließend: „Ich persönlich habe nichts gegen den neuen Bürgermeister. Ich biete ihm meine hundertprozentige Unterstützung an. Es ist nun seine Entscheidung, ob er mich weiter als Amtsleiter arbeiten lässt.“