Rassismus am örtlichen Mistplatz?. Gemeindevertreter sollen Obersiebenbrunner Bürger beschimpft haben. SP-Ortschef kontert: „Er hielt sich nicht an die Regeln.“

Von Stefan Havranek und Markus Szelnekovics. Erstellt am 18. November 2020 (05:12)
Am Obersiebenbrunner Sperrmüllplatz soll es zu einem rassistischen Vorfall gekommen sein. SP-Bürgermeister Herbert Porsch will davon nichts wissen und kontert die Kritik.
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Aufregung herrscht derzeit in Obersiebenbrunn, weil Vertreter der GO7-Partei einen Skandal am Sperrmüllsammelplatz orten: Der Vater des GO7-Gemeinderates Antonius Ebeid soll von Mitarbeitern dort mit den Worten „Geh heim, schleich dich!“ rassistisch angepöbelt worden sein.

„Mein Vater ist der netteste und herzlichste Mensch, den man in Obersiebenbrunn antreffen kann. Und dann wird er mit einem solch unnötigen Sager vor den Augen der Bürger und Gemeindevertreter beleidigt?“, ärgert sich Ebeid: „Ich finde, dass es hier vonseiten der Gemeinde eine offizielle Entschuldigung zu geben hat. Und es müssen Konsequenzen folgen.“

„Mein Vater wurde rassistisch angepöbelt.“ Antonius Ebeid, GO7-Gemeinderat

SP-Bürgermeister Herbert Porsch wehrt sich: „Am 7. November fand erstmals nach den Covid-Verordnungen eine Sperrmüllsammlung statt. Drei Gemeinderäte wurden von mir beauftragt, den Ablauf nach den Richtlinien des G.V.U. zu koordinieren.“ Die Verhaltensrichtlinien wurden seitens der Marktgemeinde veröffentlicht.

„Als LOS-Gemeinderat Werner Slavik sich nicht an die Richtlinien hielt und zu Fuß den Sperrmüllplatz betrat – ohne Maske, aber mit Bemerkungen wie ,Ich brauche keine Maske‘ und ,Euch als Hilfspolizisten‘ – nutzte auch der Vater des Gemeinderates die Gelegenheit, sich nicht an die Richtlinien zu halten“, berichtet der Gemeindechef.

Beide wurden vom Personal darauf hingewiesen, dass dies nicht den Vorgaben entspreche. „Daraufhin wurde vom Vater des Gemeinderates der Vorwurf erhoben, dass ihm aufgrund seines Aussehens und der Religionszugehörigkeit der Zutritt verwehrt und rassistisch agiert würde. Dies stellen wir entschieden in Abrede. Unser Personal hat lediglich die Umsetzung der Covid-Maßnahmen überwacht“, so der Ortschef.

Aufregung um Foto

Und weiter: „Auch GO7-Gemeinderat Gerhard Wanicek widersetzte sich anschließend den Anweisungen des Personals. Es scheint sich um eine ausgemachte, geplante Aktion der Opposition gehandelt zu haben“, vermutet Porsch, der selbst nicht am Sperrmüllplatz war und erst im Nachhinein von diesen „haltlosen Vorwürfen“ unterrichtet wurde. „Daraufhin bat ich um einen gemeinsamen Termin, um die Sache zu klären. Die betroffenen Personen kamen aber leider nicht.“

Auch ein Foto von Porsch bei einem Totengedenken am 1. November regt auf: GO7-Mitglieder kritisieren, dass der Bürgermeister zu diesem Zeitpunkt in Quarantäne sein hätte sollen (er war eine Kontaktperson eines mit Covid Infizierten und musste in Selbstisolation, Anm.). Porsch erklärt: „Die Kranzniederlegung beim Kriegerdenkmal erfolgte noch vor meinem Absonderungsbescheid.“

Der angesprochene Gemeinderat Slavik, meldete sich nach Redaktionsschluss bei der NÖN. Er sei zwei Mal am Sperrmüllplatz gewesen, „allerdings die ganze Zeit mit Maskenschutz“, beteuert er. Die Behauptungen des Bürgermeisters, dass Slavik gesagt hätte, er brauche keine Maske, sei unwahr. Ebenfalls habe er die Gemeinderäte nicht als Hilfspolizisten bezeichnet. Antonius Ebeids Vater hätte er gar nicht auf dem Müllplatz gesehen.

„Als dienstältester Gemeinderat vor Ort habe ich es als meine Verpflichtung angesehen, die aufgebrachten Bürger zu beruhigen.“ Ihm sei nämlich berichtet worden, dass die drei SPÖ-Gemeinderäte mit der Situation am Müllplatz überfordert gewesen sind. Dass der SPÖ-Bürgermeister der Opposition eine „konzentrierte Aktion“ unterstelle, sei „mehr als billig und entspricht nicht der Wahrheit“, betont Slavik, der sogar so weit geht: „Porsch entgleiten immer mehr die Amtsgeschäfte als Bürgermeister.“ Es sei die Pflicht der Opposition, Missstände aufzuzeigen und täglich an der Gemeindearbeit teilzunehmen. „Dieser Verpflichtung kommen wir bestmöglich nach.“