Sperrmüllplatz: Nach Streit folgt Polit-Hick-Hack. Opposition konfrontiert SP-Bürgermeister mit weiteren Vorwürfen. Dieser kontert und bringt drei Zeugen ins Spiel.

Von Stefan Havranek und Markus Szelnekovics. Erstellt am 28. November 2020 (04:08)
Aufregung am Obersiebenbrunner Sperrmüllplatz: Der Rassismus-Skandal wird jetzt zum Politikum.
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Der NÖN-Bericht über angeblich rassistische Aussagen am Obersiebenbrunner Sperrmüllplatz sorgte für ein großes Echo, die Telefone liefen heiß.

Zuerst meldete sich LOS-Gemeinderat Werner Slavik, dem von SP-Bürgermeister Herbert Porsch unterstellt worden war, in einer „konzertierten Aktion der Opposition“ ohne Maske den Sperrmüllplatz betreten zu haben. „Ich war dort, allerdings die ganze Zeit mit Maskenschutz“, betont er. Auch Porschs Behauptung der Gemeinderat habe gesagt ,Ich brauche keine Maske‘ oder ,Euch als Hilfspolizisten‘ sei unwahr, ärgert sich Slavik.

Slavik: "Zahlreiche Beschwerden"

Er habe den „rassistischen Vorfall“ nicht mitbekommen, aber: „Als dienstältester Gemeinderat vor Ort habe ich es als meine Verpflichtung angesehen, die aufgebrachten Bürger zu beruhigen, und versucht, zum konstruktiven Ablauf der Sperrmüllsammlung beizutragen.“ Zahlreiche Bürger hätten sich bei ihm beschwert, dass die Organisation der Müllsammlung – bestehend aus drei SP-Gemeinderäten, die anderen Gemeinderäte wurden davon ausgeschlossen – völlig überfordert gewesem sei „und Bürger mit harschen Aussagen konfrontiert wurden“.

Dieser Darstellung widerspricht Porsch: Er und die drei besagten Gemeinderäte sprachen mit der NÖN. „Slavik kam zwei Mal, das erste Mal ohne Maske und mit Aussagen wie ,rote Hilfssheriffs‘.“ Laut ihnen herrschte zu keiner Zeit Unmut und fast alle hielten sich an die neuen Regeln.

Porsch gab bekannt, dass GO7-Gemeinderat Antonius Ebeid ihn vor Zeugen angerufen habe, um sich zu entschuldigen und zu sagen, dass es ihm und seinem Vater leidtue. „Ich und die Gemeinderäte sollen es nicht persönlich nehmen, aber Ebeid habe nie mit den Auswüchsen gerechnet“, so Porsch.

Er erwarte sich aber eine schriftliche Entschuldigung an den Gemeinderat. Gerhard Wanicek (GO7) unterstellt Porsch wiederum, der Ortschef habe sich beim Bischof der Kopten in Obersiebenbrunn beschwert und übe somit Druck auf Ebeid aus. Porsch bestätigte ein Gespräch mit dem Bischof, habe aber keinen Druck ausgeübt. „Es ging darum, dass keine rassistischen Bemerkungen geäußert wurden.“ Der Bürgermeister betonte, dass es keinen Platz für Rassismus in Obersiebenbrunn gebe.

Dem gegenüber behauptet Wanicek, dass es Porsch selbst gewesen sein soll, der die rassistischen Aussagen am Sperrmüllplatz getätigt haben soll. Porsch kontert mit einem Absonderungsbescheid, wonach er sich zum Zeitpunkt des Vorfalls in Quarantäne befunden habe. „Das wäre ein noch größerer Skandal, wenn sich der Bürgermeister in der Öffentlichkeit zeigte, obwohl er mit einer positiv getesteten Person Kontakt hatte“, ereifert sich Wanicek. Porsch und die Zeugen streiten jedoch vehement ab, dass er sich nicht an die Quarantäne-Vorgaben gehalten habe.

Auch SP-Gemeinderat Michael Mann ist davon überzeugt, dass es sich um eine gezielte Aktion der Opposition gehandelt habe: „Wenn Slavik zwei Mal auftaucht, Wanicek aufkreuzt und dann noch die Geschichte mit Ebeid? Wenn einer denkt, da gebe es keinen Zusammenhang, dann hat er keine Ahnung von Kommunalpolitik.“