Wogen gingen bei Gemeinderatssitzung hoch. Aufgebrachte Bürger kamen in Massen zur jüngsten Gemeinderatssitzung.

Von Markus Szelnekovics. Erstellt am 16. Oktober 2019 (15:37)
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Kein Platz im Sitzungssaal: Empörte Bürger machten ihrem Unmut über die „kleine“ Umfahrungsvariante Luft.

Am Montag fand in Obersiebenbrunn eine dringlich einberufene Gemeinderatsitzung statt. In dieser wurde das Problem „Umfahrung Bahnstraße“ behandelt (die NÖN berichtete im Vorfeld). Nicht verwunderlich: Das Sitzungszimmer war gesteckt voll mit Betroffenen aus der Bahnsiedlung.

SP-Bürgermeister Herbert Porsch übergab das Wort an VP-Vize Rudolf Greul: „Ich habe am Freitag vor einer Woche (5. Oktober, Anm.) von einem Bürger der Bahnsiedlung erfahren, dass das Projekt ,große Umfahrung‘ gestorben sei.“ Daraufhin habe er am darauffolgenden Montag Kontakt mit Gottfried Schätz, dem Leiter des sogenannten Rentamtes des Erzbistums, aufgenommen. Dieser habe Greul mitgeteilt, dass es seit 12. September fix sei, dass nur die kurze Version der Umfahrung gebaut werde.

Greul: „Es fand dann noch ein Treffen statt, bei dem Fristversäumnisse und Differenzen auf rechtlicher Ebene besprochen wurden.“ Warum und weshalb könne er nicht sagen, er kenne nur eine Seite: „Ich liefere mich sicher nicht etwaigen Klagen aus. Irgendwo ist ein Fehler passiert und ich werde nach der Aufklärung eine schriftliche Stellungnahme abgeben.“

Man habe sich aber weiter den Kopf zerbrochen, ob es noch eine anderwärtige Entlastung für die Anrainer geben kann, beteuert der VP-Vize. Schließlich habe man sich bereit erklärt, darüber zu verhandeln, die derzeitige Bahnstraße im Bereich der Bahnsiedlung „um mindestens 10, besser 20 oder mehr Meter von den Häusern weg“ zu verlegen und einen Lärmschutz anzubringen.

„Darüber muss also noch mit Erzbistum, Land und ÖBB verhandelt werden“, so Greul. Beim Thema Lärmschutz gingen zum ersten Mal die Wogen im Publikum hoch und die Bürger diskutierten mit den Mandataren, was gewöhnlich nicht zulässig ist – in dieser prekären Situation aber kurzerhand geduldet wurde.

Greul musste jedoch zugeben: „Der Faktor Zeit spricht gegen uns.“ Wieder massiver Unmut in den Reihen der Zuseher: „Ihr habt ja Zeit genug gehabt. Schon 2014 wurde eine Unterschriftenaktion unsererseits vorgelegt und seit damals wird verhandelt“, so eine Anrainerin. Und weiter: „Das ist ja lächerlich, seit fünf Jahren wisst ihr das und jetzt stellt ihr euch hin und sagt, ihr habt so viel Stress. Seid mir nicht böse, aber das ist eine Frechheit. Sie verarschen uns.“

Greul beteuerte: „Ich habe heute mein ,Kind‘ verloren. Ich setze mich seit 2014 für die Umfahrung ein. Ich habe mich bis vor zwei Monaten darum gekümmert. Glauben Sie mir, ich nehme das sehr persönlich.“ Er erhält für die Verhandlungen nach einem einstimmigen Gemeinderatsbeschluss das alleinige Verhandlungsmandat.

Einige Anrainer waren auch nach der Sitzung noch aufgebracht: „Wir fühlen uns übergangen, verkauft und verarscht. Die Gemeinde lässt uns dumm sterben.“ Ein anderer Bürger sieht nicht nur Ortschef Porsch in der Verantwortung, sondern auch die Bürgermeister vor ihm „Den letzten beißen die Hunde. Die Informationspolitik seitens der Gemeinde muss verbessert werden.“