Onk Lou: Neues Album im Lockdown veröffentlicht. Der Ollersdorfer liefert den Menschen mit „Quarterlife“ zehn Songs gegen die Langeweile in der Corona-Zeit.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 27. November 2020 (04:26)
„Wenn jedoch nur noch für den Leerstand und den Profit der Reichen gebaut wird und die letzten Fahrten der Übrigen nur aus der Stadt raus oder mit der 71er zum Zentralfriedhof führen, wirken die Kräne über der Stadt wie Geier, die darauf warten, sich an uns gütlich zu tun“, philosophiert Onk Lou zu seinem neuen Song „Cranes“.
Havranek

„Onk Lou“ heißt eigentlich Lukas Weiser, stammt aus Ollersdorf und veröffentlicht am Freitag sein neues Album „Quarterlife“. Den Albumtitel könnte man ob der Tasache, dass er dieser Tage seinen 29. Geburtstag feiert, als „optimistisch“ bezeichnen. Wenn man die neuen Songs hört, wünscht man sich aber, dass Onk Lou mindestens noch bis zu seinem 116. Geburtstag wohl auf ist und weiter seine Songs schreibt.

Die Single „Cranes“ erschien am Freitag und ist Vorbote für das Album. Es geht, wie der Titel verspricht, um Kräne, von denen sich Onk Lou in der Wahlheimat Wien umgeben sieht: „Meine Stadt ist schön und komisch und bunt. In meiner Stadt hat jeder Platz – ganz egal, ob arm oder reich, ob Topmanager, Schichtarbeiterin, Berufsgrantler oder Buchautorin. Wenn jedoch nur noch für den Leerstand und den Profit der Reichen gebaut wird und die letzten Fahrten der Übrigen nur aus der Stadt raus oder mit dem „71er“ zum Zentralfriedhof führen, wirken die Kräne über der Stadt wie Geier, die darauf warten, sich an uns gütlich zu tun.“

„Wer warst du in dieser Zeit? Hast du einen kühlen Kopf bewahrt, oder die Nerven weggeschmissen?“ Onk Lou über die Corona-Zeit

Wer das erste Album „Bogus“, das 2017 erschien, kennt, wird sich an die neuen Songs etwas gewöhnen müssen. Onk Lou ist nicht mehr so erdig, die Sounds sind elektronischer, polierter, der junge Mann mit der Gitarre ist erwachsener geworden, er trägt in Videos jetzt auch pastellfarbene Anzüge und weiß noch mehr mit seiner unvergleichbaren Stimme anzufangen als je zuvor, die Bandbreite der Songs ist viel breiter geworden.

Der Aufnahmeprozess war interessant: Mit 50 Songs im Gepäck mietete sich Onk Lou mit Produzent Kevin Lehr alias „Lost“ in „Airbnb“-Wohnungen – von der Waldhütte in der Buckligen Welt bis zum Bauernhaus im Waldviertel – ein, um dort die Songs aufzunehmen. „Da färbt die Außenwelt natürlich ein bisschen ab, die Songs sind Kinder ihrer Umwelt. Die Lieder sind aber auch wesentlich persönlicher als noch auf ,Bogus‘“, weiß Onk Lou.

Ist es überhaupt eine gute Idee, mitten in einem Lockdown ein Album zu veröffentlichen? „Irgendwann muss es sowieso raus“, denkt sich Onk Lou: „Die Live-Präsentation fehlt natürlich, aber die Leute haben gerade Zeit, sie wollen Musik hören und sie wollen neues Zeug.“ Und wenn Netflix und die alten Playlisten langweilig geworden sind, hat Onk Lou Material gegen die Fadesse.

Die plagte auch ihn im ersten Lockdown, als plötzlich alle Konzerte abgesagt werden mussten. Also hatte er eine Idee: Seinen Anfängen als Straßenmusiker treu bleibend, organisierte er mit seinem Freund Robert Ziffer-Teschenbruck eine corona-konforme Tour, bei der er in den Gärten seiner Fans in ganz Österreich spielte, die Anreise erfolgte mit dem Fahrrad. Elf Konzerte in 14 Tagen, 700 Kilometer, bis nach Götzis und Dornbirn. „Wir hatten nach dem ersten Aufruf im Internet binnen 24 Stunden 50 Angebote, wo wir spielen können“, war Onk Lou begeistert, wie auch die Tour ein tolles Erlebnis war: „Das waren jeden Tag tausende kitschige Momente.“ Der daraus entstandene Film von Ziffer-Teschenbruck lief sogar im Fernsehen auf Sat1 und wird demnächst online veröffentlicht.

Einige „reguläre“ Konzerte gab es trotz Corona auch: „Aber da waren dann halt ,ausverkaufte‘ Shows mit 35 Leuten dabei, das ist dann schon etwas komisch“, hadert der Musiker mit den Corona-Maßnahmen, die aber notwendig seien. Klar fehle ihm das Livespielen: „Mein Mantra ist allerdings: ,Es wird irgendwann vorbei gehen!‘ Und dann sollte sich jeder die Frage stellen: ,Wer warst du in dieser Zeit?‘ Hast du einen kühlen Kopf bewahrt, bist du ruhig geblieben und hast das Beste draus gemacht? Oder hast du die Nerven weggeschmissen?“