Gerüstet für alle Katastrophen. In vier Jahren entstand ein Plan, um bei möglichen Hochwasserunglücken für den Ernstfall bestens vorbereitet zu sein.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 11. November 2019 (16:51)

Nachdem sich nach dem letzten Jahrhundert-Hochwasser zeigte, dass selbst so ein mächtiges Bauwerk wie der Marchfeld-Schutzdamm an seine Grenzen stößt, wurde neben der Generalsanierung auch die Katastrophenvorsorge aktualisiert. Dabei handelt es sich um das größte Vorsorgeprojekt, das derzeit in NÖ im Laufen ist. Dazu wurde ein Wasserverband „Hochwasserschutz Donau Marchfeld“ gegründet, dem alle Donau-Anrainergemeinden angehören.

Nun wurden einheitliche Katastrophenschutzpläne für alle diese Gemeinden (Andlersdorf, Eckartsau, Engelhartstetten, Groß-Enzersdorf, Haringsee, Lassee, Leopoldsdorf, Mannsdorf, Marchegg, Orth) erstellt, wobei auf die örtlichen Gegebenheiten besonders Rücksicht genommen wurde. Auf Basis der von VP-Landesrat Stephan Pernkopf in der Vorwoche übergebenen Pläne soll die Region bestmöglich für kommende Schadensereignisse gerüstet sein. Die Erstellung der Pläne wurde vom Land gefördert und durch die zuständigen Katastrophenschutz- und Wasserrechtsbehörden unterstützt.

Bei der Übergabe im Orther Gemeindeamt gab Bezirksfeuerwehr-Kommandant Georg Schicker im Beisein zahlreicher Feuerwehr- und Gemeindevertreter einen Einblick in die Entstehung der Pläne: „Nach dem verheerenden Hochwasser 2006 war uns klar, dass wir viel zu wenig Informationen im Fall einer Katastrophe haben.“

Deswegen wurde als Ziel unter dem Motto „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ die Schaffung eines einheitlichen Katastrophenschutzplanes ausgerufen: „Alle Pläne sollen in einem Ordner sein, übersichtlich, einsatztauglich und leicht zu aktualisieren“, so Schicker.

„Es sind über 5.000 Stunden in dieses Projekt geflossen, aber das war gut investierte Zeit."Bezirksfeuerwehr-Kommandant Georg Schicker

Dazu wurde zuerst eruiert, wo das Wasser in einem Katastrophenfall in den zehn Gemeinden hinfließen wird, wo es mögliche Komplikationen gibt und welche Probleme gelöst werden müssen. „Es sind über 5.000 Stunden in dieses Projekt geflossen, aber das war gut investierte Zeit. Besonders die Hausbesuche trugen zur Beruhigung der Bevölkerung bei. Dabei wurden Daten von 3.000 bedrohten Gebäuden gesammelt“, betont Schicker. So wird es eine Stabsrahmenübung und eine internationale Übung mit Tschechien und der Slowakei geben.

Auch der Obmann des Wasserverbandes, Mannsdorfs VP-Bürgermeister Christoph Windisch, erinnert sich an die Erstellung des Planes: „Es war ein zeitanspruchsvolles Projekt, das viel Kaffee gebraucht hat.“ – „Und ein paar Achterln“, wie Obmann-Stellvertreter und Eckartsaus VP-Bürgermeister Rudolf Makoschitz einwarf. Windisch erneuerte gegenüber Pernkopf seine Forderung „Menschenschutz vor Naturschutz“, welcher dieser zustimmte: „Probleme müssen beseitigt werden. In NÖ setzen wir Maßnahmen, um sicherer zu werden, und im Krisenfall klappt die Zusammenarbeit zwischen Behörde, Einsatzorganisationen, Gemeinden und Medien hervorragend.“