Bleiben die Ratschen im Bezirk Gänserndorf stumm?. Während in manchen Orten das Brauchtum entfällt, ziehen anderswo die Kinder wie gewohnt von Haustür zu Haustür.

Von Thomas Schindler, Robert Knotz, Vera Coursolle, Edith Mauritsch und Stefan Havranek. Erstellt am 24. März 2021 (04:03)
Alexander Lukas mit einer Gruppe der Matzner Ratschenkinder: Die Kleinen freuen sich schon, durch den Ort ziehen zu können.
Von T. , R. Knotz, V. Coursolle, E. Mauritsch und S. Havranek

Das wichtigste Fest der katholischen Kirche steht vor der Tür: Ostern. Wie wird dieses heuer, im zweiten Corona-Jahr, gefeiert? Wird es heilige Messen geben, werden die Ratschenkinder unterwegs sein und wie funktioniert das alles in Zeiten von Maskenpflicht und Abstandsregeln?

Gänserndorfs Stadtpfarrer Helmut Klauninger erklärt im NÖN-Gespräch: „Es werden Messen gefeiert, aber unter Einhaltung aller derzeitigen Sicherheitsmaßnahmen, also zwei Meter Abstand, FFP2-Maske und kein Gesang.“ Letzterer sei die größte Virenschleuder, so der Pfarrer, der sich auf Daten von Experten bezieht. In einer Kirche mit 30 Besuchern wäre die Ansteckungsgefahr durch das Singen 50 Mal so hoch im Vergleich zu einer Messe mit schweigenden Gästen, die auch Masken tragen.

„Ostern 2020 war für uns der Supergau!“

Mit Schaudern erinnert sich Klauninger zurück an Ostern 2020: „Damals war der Supergau. Wir waren mitten im ersten Lockdown und alle Kirchen mussten geschlossen bleiben. Ostern wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefeiert.“ Zurück zum heurigen Jahr: Wäre es besser, wenn man das Fest im Freien vor der Kirche begehen würde?

„Nein. Die Corona-Regeln gelten draußen genauso wie drinnen. Dazu käme, dass wir jede Menge Sesseln aufstellen müssten und einen Wetterschutz, falls es regnet. Wer soll das alles organisieren?“ Im Freien werde nur kurz die Palmweihe stattfinden. Und wie sieht es mit den Ratschern aus? „Das Thema ist noch offen. Vermutlich werden wir es so machen wie bei den Sternsingern – nur Kinder aus demselben Haushalt werden gemeinsam ratschen dürfen“, prophezeit der Pfarrer.

In Deutsch-Wagram ist diese Entscheidung bereits gefallen. „Wir werden mit Masken und unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes in kleinen Gruppen von maximal fünf Kindern auf drei Routen unterwegs sein“, berichtet Organisatorin Romana Kloiber von der Pfarre.
Die Kinder werden von Jungschar-Gruppenführern im Alter von 17 bis 24 Jahren begleitet. Viele dieser Begleiter waren selbst einmal Ratschenkinder. „Einer der Gruppenführer ist bereits acht Jahre im Einsatz“, weiß die Organisatorin.
Im Vorjahr wurde das Ratschen wegen der Pandemie komplett abgesagt. Vor Corona hatten die Kleinen gemeinsam Ostergeschenke gebastelt und vor ihrem Rundgang ein gemeinsames Mittagessen eingenommen. Dies sei heuer natürlich nicht möglich. „Die Kinder freuen sich trotzdem und wollen raus ins Freie, damit sie mit ihren Ratschen die Glocken, die ja symbolisch nach Rom fliegen, ersetzen können“, so Kloiber.

Die Gemeinde Dürnkrut muss heuer ohne Ratschen auskommen. Dies bestätigt der stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, David Peiritsch, gegenüber der NÖN. Bruder Elias Unegg, verantwortlich für die Pfarre Dürnkrut und Waidendorf, begründet diesen Umstand damit, dass die Kinder in den Schulen heuer nicht wirklich erreichbar sind, auch Jungschar-Stunden finden zur Zeit keine statt. Es sei bedingt durch die Corona-Pandemie auch zu gefährlich, den Brauch in diesem Jahr zu zelebrieren. Die Auflagen der Diözese seien zudem sehr streng.
Anders sieht es hingegen in der Gemeinde Matzen aus. Dort findet das Ratschen statt wie jedes Jahr – fast. Der stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Alexander Lukas meint im Gespräch mit der NÖN: „Natürlich werden wir die Schutzmaßnahmen einhalten. Es werden voraussichtlich zwischen 10 und 15 Kinder sein, die in der Gemeinde unterwegs sind.

„Ratschen bringt etwas Normalität“

Bei den Kleinen wird eine Begleitperson mitgehen. Eingeteilt werden die Kinder in den Grätzeln, wo sie auch wohnen. Warum die Tradition trotz Covid-19 aufrechterhalten wird? „Die Bevölkerung erwartet das Ratschen – und es ist ein Stück Normalität in dieser Zeit.“ Interessierte Kinder können sich gerne noch melden, auch wenn sie bislang nicht in der Pfarrgemeinschaft tätig waren.
Geratscht wird in Matzen am Karfreitag viermal und am Karsamstag, so wie in den Vorjahren.
Auch in Orth werden Ratschenkinder unterwegs sein, Pfarrer Erich Neidhart berichtet, dass in der Vorwoche ein E-Mail der Diözese mit den einzuhaltenden Vorschriften ausgeschickt wurde, die es nun umzusetzen gilt. Daniela Kühlmann ist für die Organisation des lieb gewonnenen Brauches in Orth zuständig und kümmert sich darum, dass die Kinder möglichst gefahrlos ihren Dienst als Ersatz für die nach Rom geflogenen Kirchenglocken versehen können.

So werden die Ratscher in Kleingruppen von etwa fünf Kindern unterwegs sein: „Dabei schauen wir darauf, dass eine Kleingruppe aus Geschwistern oder Kindern, die in die gleiche Schulklasse gehen oder ohnehin ständig in Kontakt sind, besteht“, erklärt Kühlmann, die schon bei der Organisation des Sternsingens Erfahrungen mit dieser Praxis sammeln konnte.

Auch das „Absammeln“ nach den Ratschengängen geht kontaktlos vonstatten: Die Kinder stellen ihre Spendenbüchse vor die Tür des Hauses, sagen ihre Sprüche auf und wenn die Bewohner gespendet haben, nehmen die Ratscher die Büchse wieder mit. „Es ist wichtig, den Kindern auf diese Weise auch wieder ein bisschen Normalität zu vermitteln, viele freuen sich ja schon lange auf diese gemeinsamen Aktivitäten“, weiß Kühlmann.

In Lassee fällt das Ratschen hingegen aus, zumindest wird die Pfarre es nicht organisieren, weil keine Zeit für die Erarbeitung sicherer Covid-19-Konzepte bleibt.

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