Nazi-Lied gelikt: FPÖ warf Ripfl aus Partei. Gemeinderat soll Nazi-Lied im Internet gelikt haben. Das war der Landespartei zu viel. Ripfl selbst sieht sich als Opfer.

Von Thomas Schindler und Stefan Havranek. Erstellt am 02. Januar 2018 (18:35)
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Der 23-jährige Markus Ripfl, er ist Mitglied der schlagenden Burschenschaft Olympia, zeigte sich im Internet zuletzt mit einem Schmiss im Gesicht.

Jetzt hat er den Bogen überspannt: Nachdem der Orther FP-Gemeinderat Markus Ripfl, der schon öfters mit rechten Aktionen aufgefallen war, in der Silvesternacht ein Lied der Neonazi-Band „Division Germania“ auf YouTube gelikt haben soll, wurde er wegen „Gefahr im Verzug“ aus der Partei ausgeschlossen. Ripfl fühlt sich als Opfer: „Ich war auf einer Party und hatte dort mein Tablet unbeaufsichtigt liegen gelassen.“

Der Text des Liedes ist mehr als bedenklich. Hier ein kurzer Auszug: „Wenn die Wehrmacht im Glanze die Straßen durchzieht, wenn das Pack im Galopp durch die Dunkelheit flieht ... heute lodert der Brand unserer Seele, der sich morgen zum Sturm erhebt. Bis es hallt aus der letzten Kehle: Deutschland lebt!“

Ripfl machte erstmals 2015 Schlagzeilen

Wie berichtet, machte Ripfl erstmals im Frühjahr 2015 Schlagzeilen. Damals wurden der NÖN exklusiv Fotos zugespielt, auf denen er als Jugendlicher mit Kühnengruß und Keltenkreuz-Fahne (beides Neonazi-Symbole) posierte. Den letzten Eklat leistete er sich vergangenen November, als er an der Kranzniederlegung für den nationalsozialistischen Fliegerpiloten Walter Nowotny teilnahm.

Im Dezember wurde Ripfl wegen seiner rechtslastigen Handlungen schließlich von der FPÖ verwarnt, wie auch Landesparteisekretär Christian Hafenecker bestätigt. „Es gibt intern noch weitere Vorfälle, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Es fehlt uns daher die Vertrauensgrundlage und es ist besser, wenn wir getrennte Wege gehen“, so Hafenecker.

Ripfl sei immer ein „Grenzgänger“ gewesen: „Bei Dingen, wo wir auch von der FPÖ nicht anstreifen wollen.“ Man möchte nicht ständig schlechte Presse haben, nur weil sich jemand nicht konkret abgrenzen könne. Dies würde der Partei schaden, betont Hafenecker. Der Ausschluss Ripfls wurde vom geschäftsführenden Landesparteichef Christian Höbart ausgesprochen und erfolgte am Montagabend mit sofortiger Wirkung. FP-Bezirksparteichef Herbert Steindl will sich zum jüngsten Ripfl-Vorfall bzw. dessen Parteiausschluss nicht äußern und verweist auf die Landes-FPÖ.

Wie wurde eigentlich Ripfls Posting über das Neonazi-Lied so schnell bekannt? Über die Benachrichtigungsfunktion von YouTube wurde das vergebene „Like“ auf Twitter gepostet. Ein Screenshot des Tweets kursierte daraufhin in den sozialen Medien. Ripfl löschte das Twitter-Posting und widerrief den „Like“ auf YouTube. Auf Twitter erklärte er, dass jemand offenbar sein Passwort herausgefunden und bewusst das Neonazi-Lied von einer ihm unbekannten Band, wie er behauptet, gelikt habe, um ihm zu schaden.

Ripfl: „Habe Tablet auf Party liegen gelassen“

Diese Erklärung postete er noch in den frühen Morgenstunden des Neujahrstages, anschließend veröffentlichte er sie am Nachmittag ein weiteres Mal. Im NÖN-Gespräch präzisiert Ripfl und verweist auf das auf einer Party liegen gelassene Tablet: „Ich war darauf anscheinend noch in meinem YouTube-Account eingeloggt und dieser ist mit Twitter verknüpft.“

Wie geht es mit dem nunmehr parteilosen Jung-Politiker weiter? „Durch den vielen Stress und zahlreiche Medienanfragen in den letzten Stunden hatte ich noch keine Zeit, darüber nachzudenken. Ich muss erst meine Gedanken sammeln und dann eine Entscheidung treffen – ich bin aber ein politischer und motivierter Mensch.“

Sein Gemeinderatsmandat wird der Orther jedenfalls behalten, dieses kann ihm die Partei nicht wegnehmen: „Ich sehe das als Verantwortung gegenüber meinen Wählern, ich habe ja auch viele Vorzugsstimmen bekommen. Außerdem glaube ich, dass wir bisher gute Politik für die Gemeinde gemacht haben.“