Der Bezirk Gänserndorf wächst und altert. In Zukunft werden Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuer mehr Menschen pflegen müssen, besagt der aktuelle NÖ Altersalmanach. Die NÖN recherchierte die Situation im Bezirk.

Von Sandra Frank. Erstellt am 10. Juli 2019 (04:16)
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Symbolbild

Der Bezirk gehört laut NÖ Altersalmanach zu jenen fünf im Land, die bis 2035 am meisten Wachsen werden. Neben Gänserndorf sind das Wiener Neustadt, Bruck an der Leitha, Tulln, und Korneuburg. Gänserndorf soll bis Ende 2035 um 13,62 Prozent anwachsen. In tatsächlichen Zahlen sieht dies laut Statistik so aus: Mit Jahresende 2018 lebten im Bezirk 102.512 Menschen, die Prognose für 2035 liegt bei 116.472 Personen.

Gänserndorf liegt bei den Prognosen des NÖ Altersalmanach in Zukunft aber nicht nur beim Bevölkerungswachstum im Spitzenfeld. So zählt der Bezirk heute 4.954 Personen, die über 80 Jahre sind und somit als „Hochaltrige“ bezeichnet werden. Diese Zahl wird um 75,44 Prozent, auf 8.057 Personen, ansteigen.

Die stolze Zahl zeigt klar, dass die Lebenserwartung steigt. Da sich aber die Gesellschaft verändert hat, wie Volkshilfe-Geschäftsführer Gregor Tomschizek meint, und ebenso die Anzahl der Single-Haushalte in die Höhe geht, muss sich auch die Pflege für die Angehörigen ändern. Obwohl die Menschen auch in fortgeschrittenem Alter noch gesund bleiben, können sie alltägliche Arbeiten nicht mehr ganz alleine verrichten. Deswegen müssen sie in Zukunft vermehrt betreut werden. Diese Feststellung des Hilfswerks spiegelt sich im Almanach wider: Die Betreuungsformen müssen unbedingt ausgebaut werden.

„Es sind dringend Maßnahmen nötig, denn der Personalmangel wird sich in Zukunft noch weiter zuspitzen.“ Hilfswerkpräsidenten Michaela Hinterholzer

Im September 2018 wurden im Bezirk 348 Menschen stationär gepflegt und betreut, 2025 werden es voraussichtlich 424 sein. Wieder zehn Jahre später ist von 547 Personen (plus 57,1%) auszugehen, die eine solche Pflege in Anspruch nehmen müssen. Die mobile Pflege wird um 56,3 Prozent ansteigen müssen, um die Nachfrage zu decken. Und beim prognostizierten Bedarf für die 24-Stunden-Betreuung ist der Bezirk mit einem Anstieg von knapp 72 Prozent erneut in einer Führungsrolle. Von den über 80-Jährigen nahmen im Bezirk Ende 2017 4,1 Prozent stationäre Pflege in Anspruch. Bei der 24-Stunden-Betreuung führt Gänserndorf die Liste mit 9,3 Prozent an.

Pflegedienste wie Hilfswerk und Volkshilfe stellen sich dieser Herausforderung des wachsenden Pflegebedarfs. Dabei sei es vor allem wichtig, geeignetes Personal zu finden. Eine Aufgabe, die nicht einfach ist, da schon heute massiver Personalmangel in der Pflege herrsche. Im Bezirk verzeichnet das Hilfswerk elf offene Stellen. In der Einrichtung im Marchfeld fehlen zum Beispiel zwei Diplomkrankenpfleger, an den Standorten in Gänserndorf und Zistersdorf je einer.

Quelle: NÖ Altersalmanach; Illustration: Mascha Tace/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

Heimhilfen und Pflegeassistenten werden ebenfalls gesucht. „2050 werden wir 3,5 mal so viel Pflegepersonal brauchen wie jetzt! Es sind dringend Maßnahmen nötig, denn der Personalmangel wird sich in Zukunft noch weiter zuspitzen“, weiß Michaela Hinterholzer, Präsidentin des Hilfswerks NÖ, dass Verstärkung in den Pflege- und Betreuungsteams gesucht wird.

Um mehr Menschen für Pflegeberufe zu begeistern, sei es wichtig, das Image zu heben. Es müsse gezeigt werden, wie vielseitig der Beruf sein kann, der viel Zukunftspotenzial hat, wie die Prognosen des Altersalmanachs beweisen. Eine mobile Betreuung, wie sie Hilfswerk und Volkshilfe anbieten, nahmen 918 Personen (Stand: Dezember 2017) in Anspruch. Damit war dies jene Art der Betreuung, die am meisten genutzt wurde.

Was es braucht, um den steigenden Pflegebedarf zu sichern? Geld. Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten sei der österreichische Pflegesektor unterfinanziert, meint Hinterholzer. „Es braucht zusätzlich und langfristig gesicherte Mittel.“ Flexible Angebote in der Betreuung sind es, die die Versorgung gewährleisten. Die mobilen Betreuungsdienste müssen innovativ und gezielt ausgebaut werden, denn die Erfahrung zeigt: Menschen wollen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben.

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