Baumfällung in Gänserndorf stört Grüne. Öko-Partei fordert, dass der städtische Baumkataster online gestellt wird. Bürgermeister winkt ab.

Von Thomas Schindler. Update am 19. November 2020 (04:26)
Grünen-Fraktionssprecherin Gemeinderätin Beate Kainz (2.v.l.) mit ihren Gesinnungskollegen.
Grüne

Schon in der letzten Gemeinderatssitzung machten die Grünen ihrem Ärger über den städtischen Baumkataster, vielmehr über dessen Standort, Luft. Jetzt wiederholen sie ihre Forderung, dass der besagte Kataster auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht werden soll. VP-Bürgermeister René Lobner winkt aber ab.

Zur Erklärung: Im Gänserndorfer Baumkataster ist jeder Holzriese, der im öffentlichen Raum wächst, eingezeichnet. Dort steht, wie es ihm gesundheitlich geht, ob einzelne Äste gekürzt werden müssen oder ob er seine Lebenszeit erreicht hat und deswegen ersetzt werden muss. Der Kataster liegt ausgedruckt im Wirtschaftshof der Gemeinde. „Wer hineinschauen will, muss dafür erst beim Bürgermeister vorsprechen“, ärgert sich Grünen-Fraktionssprecherin Beate Kainz.

„Die Grünen wollen es einfach auf die Spitze treiben.“ René Lobner, VP-Bürgermeister

In anderen Kommunen würden die Bürger mittels Tafeln auf den Bäumen über die bevorstehenden Fällungen informiert werden, so die Grüne: „Bei uns hingegen wird sogar noch erschwert, im Nachhinein die Gutachten, die zu dieser Entscheidung geführt haben, einzusehen.“

„Laufend verschwinden bei uns diverse Bäume“

Der Antrag der Öko-Partei, den Baumkataster einfach auf der Homepage der Gemeinde zu veröffentlichen, wurde im Stadtparlament mehrheitlich abgelehnt. Geschlagen gibt sich Kainz dennoch nicht: „Laufend verschwinden Bäume aus unseren Straßen und Plätzen. Erst kürzlich wurde wieder ein Baum am Marktplatz sang- und klanglos umgeschnitten.“ Auch eine Kastanie neben dem Parkdeck, vermutlich von der Miniermotte befallen, sei verschwunden.

In Bad Pirawarth versuche man, die alten Kastanienbäume zu erhalten. „Es werden deshalb seit einigen Jahren die Baumstämme mit Leimringen umwickelt. Die Larven der Motten bleiben dann auf dem Weg nach oben kleben und die Bäume bleiben gesund und behalten ihre Blätter“, erklärt Kainz: „Wir sind sicher, dass Leimringe einen Versuch wert wären. So könnte man auch unsere Kastanien vielleicht erhalten.“

Die Grüne abschließend: „Wäre unser Baumkataster öffentlich, gäbe es keine Mutmaßungen über die Sinnhaftigkeit der getroffenen Maßnahmen.“

Lobner: "Riesen-Konvolut an A4-Zetteln"

Warum kann man den Kataster nicht online stellen? Bürgermeister Lobner zur NÖN: „Bei diesem handelt es sich um ein Riesen-Konvolut an A4-Zetteln.“ Mit dem könne ein Normalbürger, der nicht vom Fach ist, nichts anfangen: „Und die Grünen könnten sich den Kataster jederzeit ansehen – zum Beispiel im zuständigen Ausschuss.“ Dort könnte man über alles diskutieren.

Daran sei die Öko-Partei aber offenbar nicht interessiert, so Lobner: „Die Grünen wollen es einfach auf die Spitze treiben. Ich vermute sogar, dass sie bewusst solche Anträge einbringen, weil sie genau wissen, dass diese mehrheitlich abgelehnt werden. Und nachher können sie dann sagen, dass die ÖVP über alles drüberfährt.“ Dies sei blanker Populismus, betont der Stadtchef.