Insolvenz: Zwei Monate ohne Geld. Mann verlor Job, Anträge auf Arbeitslosengeld und ausständige Bezahlung werden von den zuständigen Behörden bearbeitet. Das Ehepaar hofft auf unbürokratische Soforthilfe.

Von Michaela Fiala. Erstellt am 02. Dezember 2018 (04:11)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
30 Prozent waren vorher arbeitslos oder bezogen Reha-Geld
APA

Marianne S. (Name von der Redaktion geändert) ist verzweifelt. Ihr 51-jähriger Ehemann arbeitete sieben Monate lang bei einer Botendienstfirma. Diese meldete Insolvenz an. Anfang November musste er sich daher arbeitslos melden. Der Insolvenzschutzverband errechnete ein ausständiges Gehalt von 4.680 Euro.

Die Frau erzählt: „Wir erhalten seit acht Wochen gar kein Geld mehr.“ Das erste Arbeitslosengeld werde erst Anfang Dezember überwiesen. Die Auszahlung des ausständigen Gehalts sei an ein Gerichtsverfahren gebunden, das mehrere Monate dauern könne. Eine Mindestsicherung könne vom Sozialamt erst in sechs bis acht Wochen ausbezahlt werden.

Martin Steinhauser
NÖN

Marianne S. klagt: „Uns wachsen die laufenden Kosten über den Kopf. Wir brauchen dringend ein Darlehen vom Staat.“ Marianne S. verfüge als Hausfrau über keine eigenen Einkünfte. Das Paar habe keine Ersparnisse. Derzeit müsse die schwangere Tochter ihre Eltern finanziell unterstützen und der Mann könne die vom Arbeitsamt vorgeschriebenen Vorstellungstermine nicht wahrnehmen, da das Geld für Öffi-Fahrkarten bzw. Benzin nicht vorhanden sei.

AK-Bezirksstellenleiter Robert Taibl weist auf eine schriftliche Einforderung der Lohnauszahlung hin.
NÖN

Bezirkshauptmann Martin Steinhauser erklärt: „Die Auszahlung einer Soforthilfe ist grundsätzlich möglich. Sie hängt von der individuellen Notlage des Betroffenen ab.“ Es müsse ein Antrag gestellt werden, die Behörde überprüfe die Angaben. Wenn die Voraussetzungen für eine Soforthilfe gegeben seien, werde schnell und unbürokratisch geholfen.

Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Robert Taibl informiert: „Sollte der Lohn nicht rechtzeitig überwiesen werden, muss der Betroffene die Zahlung der ausstehenden Beträge schriftlich vom Dienstgeber einfordern.“ Bei Betriebsschließung sei ein gerechtfertigter vorzeitiger Austritt wegen Insolvenz möglich. Ein vom Gericht bestellter Insolvenzverwalter übernehme die weitere Abwicklung.