Norbert Schneider: „Keine Ahnung, was da abgeht“

Der Protteser Norbert Schneider über seine Anfänge als Musiker und den Grund, warum er heute auf Deutsch singt.

Manuel Mattes
Manuel Mattes Erstellt am 06. Februar 2019 | 03:45
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Norbert Schneider ist ab März mit seiner „So wie’s is“-Tour unterwegs. Der NÖN gab er in einem Wiener Kaffeehaus ein ausführliches Interview. Immer wieder ist Schneider auch noch im Bezirk Gänserndorf anzutreffen, wo er alte Freundschaften pflegt.
Foto: Mattes

Wenn von bekannten Musikern aus dem Bezirk die Rede ist, dann darf einer nicht fehlen: Norbert Schneider, der heuer seinen 40. Geburtstag begeht und erst vor Kurzem das neue Album „So wie’s is“ auf den Markt brachte. Die NÖN traf den Künstler zum großen Interview in einem Wiener Kaffeehaus.

NÖN: Sie haben lange Zeit in Prottes und später auch in Strasshof gewohnt, mittlerweile leben Sie in Wien. Trifft man Sie noch oft in Ihrem Heimatbezirk?

Schneider: Ich habe etwa bis zu meinem 18. Lebensjahr in Prottes gewohnt, mittlerweile lebe ich seit fünf Jahren in Wien. Ich kehre immer wieder in den Bezirk Gänserndorf zurück, weil ich dort natürlich Freunde habe. In Prottes bin ich noch hin und wieder, allerdings seltener, weil das aufgrund des Todes meiner Eltern etwas emotional ist. Mein Bruder lebt allerdings nach wie vor dort.

Wann fassten Sie den Beschluss, Musiker zu werden? Gab es einen konkreten Anlass?

Schneider: Nach der Volksschule in Prottes und dem Besuch der Unterstufe im Gänserndorfer Gymnasium wechselte ich an die Kindergartenschule in Mistelbach. Dort hatten wir einen tollen Gitarrelehrer, mit dem ich auch heute noch sehr gut befreundet bin. Anlässlich der 25-Jahr-Feier der Schule stellte er eine Band zusammen, wir gaben dann ein Konzert im Mistelbacher Stadtsaal. Da wusste ich, dass ich Musiker werden will. Ab diesem Zeitpunkt setzte ich alles daran, mir diesen Traum zu erfüllen.

Das heißt, dass Ihr Gitarrelehrer maßgeblichen Anteil an Ihrer Musikkarriere hat?

Schneider: Ja, mit Sicherheit. Ich habe zuvor auch schon Geige gespielt, weil meine Eltern wollten, dass jedes ihrer fünf Kinder ein Musikinstrument erlernt. Der Geigenkoffer hat zwar jeden meiner Umzüge mitgemacht, geöffnet habe ich ihn allerdings nie wieder. Keine Ahnung, was da drinnen abgeht.

Sie haben zu Beginn Ihrer Karriere ausschließlich in Englisch gesungen, mittlerweile ist es der Wiener Dialekt. Wie kam dieser Sinneswandel?

Schneider: Die ersten Jahre meiner Musiker-Laufbahn beschäftigte ich mich fast ausschließlich mit Blues, da ist die englische Sprache natürlich naheliegend. Bei einem Auftritt in Stuttgart vor einigen Jahren stand ich dann mit Kollegen zusammen und diese meinten, es wäre ungemein charmant, wenn ich etwas in meiner Sprache singen würde. Da merkte ich, dass mir spontan kein einziges österreichisches Lied einfiel, das ich singen könnte. Das war mir derart peinlich, dass ich dann noch in Stuttgart meinen ersten Song auf Deutsch schrieb. Bis auf Weiteres werde ich beim Wiener Dialekt bleiben, es ist aber nicht auszuschließen, dass es irgendwann auch wieder englische Lieder geben wird.

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Norbert Schneider, wie ihn seine Fans lieben – auf der Bühne, eins mit der Musik.
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Sie schreiben die Texte Ihrer Lieder selbst. Warten Sie auf die oft zitierte Eingebung oder ist das auch harte Arbeit?

Schneider: Lediglich auf seine Eingebungen zu vertrauen, ist zu wenig, dann würde ich drei Lieder pro Jahr schreiben. Ich habe mir aber zum Ziel gesetzt, alle zwei Jahre ein Album zu veröffentlichen. Man muss sich also schon hinsetzen und aktiv dahinter sein. Wenn ich mich nach längerer Zeit wieder ans Schreiben mache, merke ich, dass die ersten Texte, die entstehen, oft nicht gut sind. Man braucht dafür sehr wohl viel Übung. Ich bin überzeugt, dass jeder ein Lied schreiben könnte, es machen allerdings nur wenige Menschen.

Wie merken Sie, dass ein Song nicht das Zeug zum Hit hat?

Schneider: Das spürt man. Man singt sich das Lied vor und fragt sich: „Macht das irgendetwas mit mir?“ Ist das nicht der Fall, dann kann man es vergessen.

Wie würden Sie Ihre Musikrichtung bezeichnen?

Schneider: Ich will sie nicht bezeichnen. Es handelt sich um eine Mischung aus den musikalischen Einflüssen, denen ich im Laufe meines Lebens ausgesetzt war. Vielleicht ist das auch der Grund, warum es momentan gut läuft. Ich habe da offensichtlich eine Nische entdeckt, die noch keiner bedient.

Wie viele Gitarren nennen Sie Ihr Eigen?

Schneider: Meine Partnerin klagt mir ihr Leid täglich (lacht). Ich schätze, es sind so an die 25. Einige davon sind aber auch „Baustellen“, also nicht spielbereit.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu bekannten Musikerkollegen beschreiben? Wie beurteilen Sie die Erfolge von Jimmy Schlager, der ja ebenfalls aus dem Bezirk stammt?

Schneider: Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich sind wahre Größen, die sich ihren Legendenstatus wirklich verdient und auch hart dafür gearbeitet haben. Beide kenne ich persönlich. Mit Georg Danzers Oeuvre habe ich mich ja im Rahmen meines vorigen Albums ausgiebig beschäftigt. Da habe ich erst bemerkt, welch gewaltiger Liederschreiber er eigentlich war. Jimmy Schlager kenne ich schon seit meiner Kindheit und sein Erfolg freut mich ungemein. Er hat sich auch bereit erklärt, beim Begräbnis meiner Mutter zu singen, dafür bin ich ihm ewig zu Dank verpflichtet.

Wie kamen Sie zu Ihrer jetzigen Band?

Schneider: Mit einigen Mitgliedern spiele ich schon seit Jahrzehnten, andere kamen erst später hinzu. Sie alle haben aber eines gemeinsam: Sie sind wirkliche Kapazunder auf ihrem Gebiet, darauf lege ich großen Wert.

Mittlerweile sind Sie nicht nur in Österreich erfolgreich, sondern auch in Deutschland. Kommt dort der Wiener Dialekt an?

Schneider: Ja, bis Baden-Württemberg ist es kein Problem, weiter nördlich hat es dann keinen Sinn mehr. Gelegentlich trete ich auch in der Schweiz auf, aus meiner Blues-Zeit gibt es da noch sehr gute Kontakte. Ab März geht es dann mit der neuen Tour los, vorher habe ich sozusagen noch ein wenig Urlaub.