Neue Regelung sorgt für Skepsis im Bezirk Gänserndorf

Erstellt am 09. August 2022 | 20:00
Lesezeit: 4 Min
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Mediziner Helmut Legat aus Groß-Schweinbarth über einen angeblich symptomlosen Verlauf: „Viele Positive berichten, sie hätten – außer Schnupfen und Kopfschmerzen – nichts gespürt. Das sind medizinische Symptome.“
Foto: Mauritsch
Verschiedene Branchen im Bezirk sprechen über ihren Umgang mit der neuen Freiheit .
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Nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie fiel mit Anfang August die Quarantäne-Pflicht. Covid-Positive unterliegen lediglich sogenannten Verkehrsbeschränkungen und dürfen mit FFP2-Maske ihrer Arbeit nachgehen. Psychologen befürchten dabei eine Stigmatisierung von Menschen, die aus Vorsichtsgründen im öffentlichen Bereich oder beim Einkaufen Maske tragen. Der für Dienstgeber wesentliche Unterschied ist, dass sie keinen Kostenersatz mehr erhalten.

Gastronomie weiter vorsichtig

Bei der Bäckerei Geier hat man gemeinsam mit dem Arbeitsmediziner und den Führungskräften ein Konzept für eine sichere Lösung erarbeitet. Erika Geier zum Kernpunkt: „Sobald Mitarbeiter ein positives Testergebnis haben, müssen sie zu Hause bleiben. Bei jedem Verdacht auf Covid muss zur Sicherheit ein PCR-Test gemacht werden.“ Je nach Position des Mitarbeiters ist auch Homeoffice möglich – Voraussetzung ist ein symptomloser Verlauf. Claudia Müller, Chefin des Gasthaus Demel in Schönkirchen-Reyersdorf, sieht das ähnlich. „Wir sind sehr vorsichtig – zum Schutz unserer Mitarbeiter und Gäste. Arbeiten darf nur, wer einen CT-Wert von deutlich über 30 hat.“

Friseur und Covid-positiv geht auf keinen Fall. Patricia Svoboda von „Patricia’s Haardesign“ in Strasshof hat eine sehr klare Einstellung. „Wenn ein Mitarbeiter positiv ist, muss er zu Hause bleiben. Wir haben viele ältere Kunden, das wäre mir zu unsicher.“ Gabriele Höfner von „Connys Friseursalon“ in Groß-Enzersdorf geht ebenfalls auf Nummer sicher: „Wir haben sehr lange mit Maske gearbeitet. Ich bin da sehr vorsichtig“, so die Salonchefin.

Gemeinden setzen auf Hausverstand. ÖVP-Bürgermeister René Lobner aus Gänserndorf setzt auf pragmatische Lösungen: „Wir regeln das bei uns mit Hausverstand. Wenn sich jemand krank fühlt, soll er zu Hause bleiben, bis er wieder fit ist.“ Das Arbeiten mit Maske funktioniere nicht so gut. Der Stadtchef fürchtet hier die Ansteckungsgefahr unter den Mitarbeitern.

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Gemeindemitarbeiterin Johanna Orischnig und ÖVP-Bürgermeister Eduard Ruck aus Palterndorf-Dobermannsdorf. Arbeiten als Covid-Positiver geht dort mit räumlicher Trennung oder im Homeoffice.
Foto: Mauritsch

Damit ist er mit seinem Bürgermeister-Kollegen Wolfgang Gaida aus Hohenau einer Meinung: „Wenn es der Dienst erlaubt, sollte der Mitarbeiter zuhause bleiben. Wir haben nichts davon, wenn die anderen ebenfalls infiziert werden.“ Im Gemeindeamt Palterndorf-Dobermannsdorf gibt es einen eigenen Raum für Covid-positive Mitarbeiter. „Die erste Option ist aber das Homeoffice“, so ÖVP-Bürgermeister Eduard Ruck.

Handel und Büro

Dagmar Förster, Geschäftsleiterin des Sanitätsunternehmens Luksche, freut sich, dass langsam wieder Normalität einkehrt. „Als Gesundheitsbetrieb mussten wir immer mit FFP2-Masken arbeiten, das ist nichts Neues.“ Klaus Klöbel führt mit seiner Gattin Verena die Steuer- und Unternehmensberatungskanzlei Steuerwehr in Hohenruppersdorf. „Homeoffice geht bei uns sehr gut. Bei Terminen mit positiv getesteten Klienten tragen auch wir Maske“, gaben sich die beiden ebenfalls vorsichtig.

Was heißt symptomlos? Helmut Legat ist Arzt in Groß-Schweinbarth. Für ihn ist das Quarantäne-Aus zumindest einen Versuch wert. Man müsse endlich Eigenverantwortung ausüben und nicht immer auf die Politik warten. Er wirft die Frage auf, ob es überhaupt Infekte ohne Symptome gibt. „Viele Positive berichten, sie hätten nichts gespürt außer Schnupfen oder Kopfschmerzen. Das sind medizinische Symptome.“

Arbeiten im Büro mit Maske oder im Freien könnten wohl verrichtet werden, sofern die Menschen sich vital genug fühlen. Ein absolutes No-Go ist für ihn die Arbeit von Covid-Positiven im Gesundheitsbereich – seien es Ärzte oder Mitarbeiter in der Pflege. Eine Ausnahme stellt für ihn die Arbeit im geschützten Bereich dar.

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