Pandemie sorgt für E-Bike-Run im Bezirk Gänserndorf. Drahtesel mit Elektro-Antrieb sind in Zeiten von Corona der große Hit. Sehr zur Freude der Händler im Bezirk.

Von Thomas Schindler, Robert Knotz, Manuel Mattes und Stefan Havranek. Erstellt am 07. April 2021 (04:33)
Felix Nentwich (l.), Obmann des Radclubs Leopoldsdorf: „Bei den Ausfahrten, wo natürlich auf genügend Abstand geachtet wird, geht uns das gemütliche Beisammensein in Gaststätten ab.“
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Besonders seit Beginn der Corona-Pandemie im Vorjahr boomt das Radfahren. Zusätzlich startet nun mit dem Frühling die traditionelle Radlersaison. Wie sehen die Händler und leidenschaftlichen Pedalritter im Bezirk die Lage? Steigt die Nachfrage nach Drahteseln? Welche Rolle spielen die E-Bikes? Und: Wie gut ist das Radwegenetz in der Region?

Gänserndorfs FF-Kommandant Andreas Dengler, einst erfolgreicher Extrem-Radler, drehte vergangene Woche eine Runde mit seinem Rennrad: „Das Wetter war perfekt und ich sah viele Leute auf ihren Fahrrädern.“ Was dem Feuerwehr-Chef am meisten auffällt: „Es sind immer mehr E-Bikes unterwegs.“ Ein Trend, den Dengler begrüßt: „Die elektrischen Fahrräder sind vor allem für untrainierte und ältere Mitbürger toll. So können sie auch bei Steigungen oder Gegenwind gemütlich fahren.“

„Wir haben ausreichend Ersatzteile bestellt. Sonst säßen wir jetzt auf dem Trockenen.“ Lukas Polak, „Zweirad Polak“, Prottes

Auch wenn der Elektro-Motor das Ganze körperlich einfacher macht – treten muss man trotzdem. „Und das ist aus gesundheitlicher Sicht immer noch besser, als zu Hause auf der Couch zu sitzen“, betont der FF-Kommandant.

„Wir sind zwar ein reiner Reparaturbetrieb, erhalten aber oft Anfragen nach neuen Rädern. Daran kann man erkennen, dass die Nachfrage nach Fahrrädern sehr groß ist“, erklärt Roland Bischetsrieder von „Fahrrad Strasshof“. E-Bikes seien momentan groß im Kommen, der Markt könne die Nachfrage kaum bewältigen. „Es ist derzeit sehr schwer, an ein Rad zu kommen. Die Teile werden hauptsächlich in asiatischen Ländern hergestellt und aufgrund eines dortigen Lockdowns kommt es zu Lieferschwierigkeiten“, weiß der Unternehmer.

Einen Rat fürs Rad gibt der Fachmann noch mit: „Nach dem Einwintern sind einige Dinge zu beachten. Die Kette ist zu ölen, Luft nachzufüllen und alle Teile, wie Licht, Bremsen und Schaltung, sind auf Funktion zu überprüfen.“ Sollten gröbere Schäden aufgetreten sein, solle man auf jeden Fall einen Profi kontaktieren und nicht als Laie selbst herumschrauben.

FF-Kommandant Andreas Dengler: „Immer mehr E-Bikes sind unterwegs.“
privat, privat

Einen Trend zum Fahrrad mit Elektromotor kann auch Lukas Polak von „Zweirad Polak“ in Prottes feststellen: „Die Leute reißen uns die E-Bikes förmlich aus der Hand und wir kommen mit dem Bestellen beinahe nicht nach.“ Unmittelbar nach dem ersten Lockdown im März 2020 sei der Run auf Räder losgegangen – und er ist bis zum heutigen Tage ungebrochen.

Ein wenig Sorgen bereitet Polak die Versorgung mit Ersatzteilen durch die Lieferanten: „Zum Glück haben wir anfangs große Mengen an Waren bestellt, weil sonst säßen wir jetzt auf dem Trockenen“, meint der Fachmann, der das Unternehmen mit seinem Vater, der Mutter und zwei weiteren Mitarbeitern führt. „Wer es in Zeiten wie diesen nicht schafft, in dieser Branche über die Runden zu kommen, dürfte etwas falsch machen“, so Polak abschließend.

Für den Radclub Leopoldsdorf wiederum hat die Pandemie Nachteile. Obmann Felix Nentwich: „Veranstaltungen sind untersagt, wir dürfen keine Radler-Stammtische abhalten, auch unser Familien-Radwandertag durfte nicht stattfinden. Bei gemeinsamen Ausfahrten, wo natürlich auf genügend Abstand geachtet wird, geht uns das gemütliche Beisammensein in Gaststätten ab.“

Ein Licht am Ende des Tunnels sei, dass seit Kurzem der „Radlertreff Hermi“ in Schönau wieder geöffnet hat, wo man sich zumindest Speisen und Getränke kaufen kann. Nentwich: „Alles in allem überwiegt bei unseren Mitgliedern der Spaß am Radfahren, wir lassen uns von der Pandemie nicht unterkriegen und genießen die Freiheit auf zwei Rädern.“

Die scheinbar endlosen und vor allem flachen Weiten des Marchfelds sind natürlich auch bei Radfahrern sehr beliebt. Zahlreiche gut ausgebaute Radwege laden die Sportler förmlich ein, in die Pedale zu treten und die Gegend auf dem Drahtesel zu erkunden. Egal, ob Donauradweg, Marchfeldkanal-Radweg oder beispielsweise „Dampfross und Drahtesel“, es gibt für jeden Radfahrer-Typ den passenden Weg. Informationen zu den einzelnen Radstrecken findet man selbstverständlich auch im Internet unter www.marchfeld.weinviertel.at/radfahren .

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