Die ewigen Baustellen in Groß-Enzersdorf. Sowohl das Loch in der Stadtmauer, in die vor fast einem Jahr ein Autobus gekracht war, als auch einige andere Lücken im Stadtbild bereiten SP-Bürgermeisterin Sorgen.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 11. November 2020 (04:26)
Was bleibt von der neuen Bauordnung? Hier wird ein Neubau ohne viel Rücksicht auf das Stadtbild geplant.
NOEN

„Leider können wir dort heuer nicht einmal die Weihnachtsbeleuchtung aufhängen“, sagt SP-Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivec enttäuscht. Das Wiener Tor, die westliche Ortseinfahrt von Groß-Enzersdorf, zeigt sich weiterhin als Ruinenlandschaft.

Im Jänner dieses Jahres war der Autobus 26A in die Stadtmauer gekracht, nachdem dem Busfahrer schwarz vor Augen geworden war. Das Unglück verlief eigentlich glimpflich, es gab nur einige Leichtverletzte, auch der Busfahrer wurde wieder gesund. Doch die Ruine ist geblieben – und wie es scheint, wird sie es noch länger bleiben. Die Stadtmauer samt Torpfeiler gehören in diesem Bereich dem Besitzer des Hauses dahinter, der Familie Hodo – und diese will sie auch nicht abtreten (die NÖN berichtete).

Hausbesitzer verweist auf starke Mauerrisse

Das wäre aber noch nicht das Problem. Es geht um den Schadenersatz für das Gebäude, das durch den Aufprall schwer beschädigt wurde. Die Versicherung meint, dass nur ein Nebengebäude, ein Schuppen, kaputt gegangen sei, die Hausbesitzer weisen aber auf starke Mauerrisse im angrenzenden Wohnhaus hin. Sie schalteten einen Anwalt ein: Doch es rührt sich nichts. Auch ein von der Gemeinde für August angekündigtes Gespräch mit allen Beteiligten, inkl. dem Vertreter des Bundesdenkmalamtes, hat noch immer nicht stattgefunden. Offenbar haben sich alle an den Anblick gewöhnt.

Nach Abriss der alten Schmiede noch immer ein offener Krater – künftig soll hier ein moderner Wohnbau entstehen.
NOEN

Auch die Lücke, die der Abriss der alten Schmiede aufseiten des Kirchenplatzes schuf, entwickelt sich zur alteingesessenen G’stettn. Das Schild der Firma Roxhaus liegt hinter dem Gestrüpp versteckt, auf der Homepage findet sich das Projekt verschwommen unter „coming soon“. Übrigens kündet das dazugehörige Symbolfoto gar nicht von der neuen Bauordnung, die das historische Stadtbild pflegen soll. Es wird, wenn es denn einmal wird, ein modernes Wohnhaus mit großen Glasfenstern und wenig gegliederter Fassade in weiß und grau angepriesen.

Auch das Wohnhausprojekt von Trio-Bau gegenüber lässt wenig historisch Angepasstes erwarten. Damit wird ein weiteres Grätzel Groß-Enzersdorfs gesichtslos in die nächsten Jahre gehen. Viele fragen sich, was die neue Bauordnung gebracht hat.